Gemeindevertreterverband: Europareise-Griechenland 2. Tag: Dramatische Fakten der Krise – aber es gibt zumindest mal eine Richtung …..

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Auch wenn man´s als Gast nicht gleich direkt sieht, die Krise ist real und die Aufarbeitung für die Griechen und den gesamten Staat dramatisch!

Dramatische Fakten:
25%Wirtschaftseinbruch durch die Krise; 25% weniger Gehalt im Durchschnitt für jeden Griechen und das bei gleich bleibenden Kosten; 3 Mio. von 10 Mio. Einwohnern leben aktuell unter der Armutsgrenze, 27% Arbeitslose und die fallen spätestens 1 Jahr nach Beginn der Arbeitslosigkeit aus allen Sozialsystemen und sogar 60% Jugendarbeitslosigkeit; Für kleine und mittlere Betriebe – aber eigentlich generell gibt´s keine Kredite zu „normalen“ Konditionen. Für Immobilien als letzte Ressource gibt es keinen Markt; Die Exportwirtschaft schwächelt noch immer und aktuell wird für das heurige Jahr weiter mit einem Minuswachstum von 0,4% gerechnet ……

Wie es soweit gekommen ist:
Die Krise ist nicht von heute auf morgen gekommen. Die Gründe liegen – nach allem, was wir gehört haben – sehr viel tiefer und weit zurück. Eine – wenn auch mehr als unvollständige – Auflistung:

> Griechenland ist ein rein „zentralistischer“ Staat. „Die Verwaltung „vertraut“ den Unternehmen, den Bürgermeistern und einfach allen – bis zum letzten Bürger einmal grundsätzlich „nicht“. Das nimmt Eigenverantwortung in hohem Maße weg – wie wohl es durchaus auch logische Gründe hat. Einer von vielen mag in der befürchteten und teilweise sicher auch stets realen Korruption von Lokalbehörden gelegen sein.
> Die Haltung der Bürger gegenüber dem Staat ist ablehnend, aber nicht einfordernd. Der Staat ist den Menschen schlichtweg egal geworden. Der absolute Vertrauensverlust in Politik und staatliche Ordnung hat zu geringer Steuermoral geführt, Korruption und Vetternwirtschaft noch verstärkt und auch wenn es in der Zeit unmittelbar nach Ausbruch der Krise viele Demonstrationen gegeben hat, so nie welche gegen Korruption.
> Der Staat war und ist für viele Menschen Hauptarbeitgeber, weil vor allem durch jahrelange politische Ausgrenzungen von einzelnen Lagern, diese dann als sie an die Macht gekommen sind in aktionistischer Weise Postenbesetzungen mit eigenen Leuten vorgenommen haben, gleichzeitig aber die alten nicht gekündigt haben. Dadurch ist mehr als ein Wasserkopf entstanden und die ohnehin schon überbordende Parteiabhängigkeit ist noch erhöht worden.
> Das System ist krank – die Menschen in Ordnung. Die Griechen arbeiten im EU Durchschnitt am meisten von allen arbeiten Europäern. An die 2000 Jahresarbeitsstunden, weil eben nur mit mehreren Nebenjobs über die Runden zu kommen ist. Nur ein Beispiel für langwierige Verwaltungsarbeit:  Eine einfache Flächenwidmungsentscheidung wird nicht vom Bürgermeister entschieden, sondern muss vom Staatspräsidenten unterschrieben werden, was allein schon Jahre dauert. Bei einem Notariatsakt besteht Anwaltszwang und durch Mehrfachzuständigkeiten sind schon bei einfachen Entscheidungen Unterschriften und Zustimmungen von mehreren Ministerien erforderlich. Mindestens 2x/Monat muss ein Bürgermeister – selbst von der entlegensten Insel – in ein Ministerium fahren, um Entscheidungen für seine Gemeinde herbeizuführen.

Heute geht´s schon lang nicht mehr um die Substanz, sondern darum, dass sie´s durchstehen …; Denn selbst wenn eine Richtung erkennbar ist, so geht doch nichts ohne Wachstum und das ist noch nicht erkennbar. Und auch die staatliche Stabilität hängt an seidenen Fäden. Nur mit 2 Stimmen hat die Regierung eine Mehrheit.
Für die Menschen ist die Krise oft nur im gut funktionierenden Familienverband lösbar. Ohne diesen wäre es schon um vieles dramatischer. Aber die Familien fangen einiges auf und auch von der Substanz haben viele gelebt, aber das ist auch irgendwann einmal aus…..; Ein Gesprächspartner hat uns heute gesagt: Wenn wir diese Krise in Österreich nur zu einem Teil erlebt hätten, wir hätten eine Revolution gehabt….

Eine Richtung ist erkennbar…
… soll heißen: Es geht ein bissl aufwärts, sagen die TaskForce Mitarbeiter, aber sie sagen auch über ihre Arbeitsweise, dass sie zwar mit den Finanzen ein großes Druckmittel in der Hand haben, aber letztendlich nur aktiv werden können, wenn sie vor Ort auch gebeten werden. Was inhaltlich aufgezwungen ist, wäre letztendlich nicht zielführend …..

Das „Vertrauen in die Politik“ ist das um und auf.
Wenn das Vertrauen in Politik, Rechtsstaatlichkeit und öffentliche Ordnung – wie hier in Griechenland – „minimiert“ ist und kein Bewusstsein mehr da ist, dass ein Staat nur gemeinsam finanziert, getragen und organisiert sein kann und sich jeder einfach durch Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit usw. aus dem System zurückzieht….., oder wenn in den Willen der Politik nicht mehr vertraut wird, für das Funktionieren des Zusammelebens die besten Regeln aufzustellen, ……dann ist Griechenland…..;

Lichtblick Eigenengagement und Projekte zur Selbsthilfe
Die Sorgen haben die Menschen mittlerweile nicht nur in den Familien zusammengeschweisst, sondern es sind auch zahlreiche Initiativen zur Hilfe udn Selbsthilfe entstanden. Österr. Unternehmer fahren nach Griechenland mit Hilfsgütern für Spitäler, Supermärkte spenden noch nicht abgelaufene Ware oder Bürgermeister aus Deutschland und vielleicht zukünftig auch aus Österreich kommen und beraten ihre Kollegen hier und geben Know How weiter.  Menschlich ist vieles am Weg. Durchgestanden ist die Talsohle noch lange nicht.

Der Vertreter des griechischen Gemeindebundes referierte. Er stellt sich als Bürgermeister wie fast 400 in ganz Griechenland am Sonntag der Wiederwahl.20140515_112949

Den ganzen Tag gab´s viele Gesprähe mit Vertretern aus unterschiedlichsten griechischen Strukturen.20140515_16310420140515_15181520140515_14380720140515_120826

 

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