Ardagger: Angekommen am Beginn eines neuen Lebens. Welle der Hilfsbereitschaft für 17 köpfige Flüchtlingsfamilie aus dem Irak.

Foto1

Der Arbeitskreits MESI hat alle Vorbereitungen erledigt und ein Klima des „Willkommen“ geschaffen. DANKE!!!

Eine 17 köpfige Flüchtlingsfamilie aus dem Irak und auch mit Familienmitgliedern aus Syrien ist am Montag dieser Woche in unserer Gemeinde angekommen: 2 Großeltern; 3 junge Paare, wobei eine Frau ihren Mann vorerst noch zurücklassen musste und insgesamt 10 Kinder (6 Kleinstkinder, 1 schulpflichtiges Kind und 3 Jugendliche).

Eine mehr als 2 jährige Flucht vor den Terroristen des IS – zuerst im Irak und jetzt über die „klassiche“ Balkanroute bis nach Europa – hat damit ihr vorläufiges Ende gefunden. Die Familie steht mit ein paar geretteten Euros nun  in einem fremden Land, kann unsere Sprache noch nicht und  sich auch nur englisch verständigen. Es ist ein Beginn mit „Nichts“ – nur mit einem und das ist ganz stark: Hoffnung auf ein neues Leben in Sicherheit, das sie antreibt.

2 Wohnungen waren am Montag vororganisiert, Matratzen und Betten waren von freiwilligen Helfern vorbereitet worden und auch ein paar Tische und Sessel waren in den 2 „nüchternen“ Wohnungen da. Aber sonst auch nichts. Heute: 4 Tage nach ihrer Ankunft sind die Wohnungen schon ein zu Hause geworden. Ja. Es ist alles noch durcheinander und Kleidung stapelt sich zwischen Kästen und anderem Hausrat. Noch sind die kleinen Kinder, die dazwischen „hervorschauen“ ein bisschen unsicher.  Aber es sieht schon nach „Wohnung“ aus. Denn eine Welle der Hilfsbereitschaft hat eingesetzt: Einrichtungen wurden gespendet, Geldspenden sind angekommen. Firmen haben mitgearbeitet: Die Firma Froschauer hat einen neuen Kühlschrank geschenkt, die Firma Gebetsberger hat Installationen erledigt und die Firma Grossalber hat einen Möbeltransporter zur Verfügung gestellt. Räder  – darunter ein fast ganz neues – wurden zur Verfügung gestellt, Tisch- und Bettwäsche, Waschmaschinen, usw. usw.

Aber auch Sorgen haben die Familien bereits begleitet: Ein Kleinkind hat einen hohen Fieberschub bekommen und musste mit über 40Grad im Spital beobachtet werden, die anderen Kinder haben Durchfall, einer der jungen Ehemänner hatte bei den Radfahrten einen Reifenplatzer und mit viel Glück einen schweren Sturz glimpflich überstanden und bis die Verpflegung am ersten Tag so richtig angelaufen ist und das erste warme Essen selbst bereitet fertig war hat´s für die Kinder ganz ganz lang gedauert ….; Vieles ist so ganz neu, wie hier bei uns das Leben organisiert ist und was es alles braucht: Zum Beispiel Fortbewegungsmittel, um in die Stadt, wieder zurück oder auch nur zwischen den Wohnungen hin und her zu kommen….

Letztlich hat der Wille zu einem Neubeginn aus dem Nichts heraus aber auch schon die ersten Perspektiven für die Familien ermöglicht: „Wo und wie können wir deutsch lernen“ war eine der ersten Fragen der jungen Leute und ab 10.9. soll damit auch schon begonnen werden, weil sich Freiwillige bereit erklärt haben, zu unterrichten. Die 11jährige Samra wird ab Montag in der 1. Klasse Mittelschule beginnen und die Eltern werden sie beim Schulgottesdienst (sie sind weltoffene Muslime) und auch bei den ersten Schritten in ihr neues Lernleben begleiten. Mit der Direktorin hat es schon ein Gespräch gegeben und auch die anderen Lehrerinnen sind auf die Aufgabe, zu unterrichten, ohne vorerst miteinander deutsch sprechen zu können, eingestellt. „Baum“ kann sie auf jeden Fall schon sagen die kleine Samra und mit ihrem Lächeln überwindet sie sowieso jede Übersetzungsbarriere. Der 20 jährige Omar hat als großes Hobby Fußball. Einmal ein Schnuppertrainig bei uns mitmachen, das ist schon im Plan. Hamid und seine Frau – die beiden jungen Großeltern – wollen auf jeden Fall einen Garten anlegen: Pflanzen sind ihre Leidenschaft und da ist auch bei der Wohnung schon ein Plätzchen gefunden worden. Osama – Informatiker und Maler – hat die erste der beiden Wohnungen fertig ausgemalt und Anas, der Herrenfrisör und ebenfalls studierte Informatiker hofft, dass auch er seine Qualifikationen später einsetzen kann, hier in Österreich, denn vom Zurückgehen da ist wohl keine Rede mehr. Nach der Wegnahme der Wohnung, der Autos, des ganzen Besitzes durch die IS Terroristen, der Bedrohung für das eigene Leben und den mehr als 2 Jahren im Irak auf der Flucht, gibt es dort keine Perspektive mehr.

Die ersten 4 Tage und die ersten Schritte in ein völlig neues Leben sind geschafft. Viele viele Sorgen, viele Hürden liegen noch vor den Flüchtlingen aber die Hoffnung und die große Welle der Hilfe von so vielen Gemeindebürgern – vor allem auch die persönliche Unterstützung und Begleitung durch die Menschen aus dem Arbeitskreis MESI, der eigens für die Begleitung von Flüchtlingen in unserer Gemeinde vor einigen Wochen gegründet wurde und einfach nur die Sicherheit, das „Aufgenommen“ sein, gibt den Neuankömmlingen da großen Halt und ist Stütze. Und da hat auch Großvater Hamid schon nach wenigen Stunden bei uns ein neues Wort gelernt, das er seither immer wieder sagt: „DANKE“. Und das fliegt wirklich aus tiefstem Herzen allen entgegen, die hier beim Neubeginn mithelfen.

IMAG1024Spielsachen wurden geschenkt.20150902_162310
Danke für den Kühlschrank. Das sagten Aesraa, Hamid, Anas und Osama persönlich bei Helmut Freynhofer von der Fa. Froschauer.
20150902_164351
Da sind auch schon Freundschaften entstanden
IMAG1021
Und Transporteure haben sich zur Verfügung gestellt.
20150826_141244

3 Gedanken zu “Ardagger: Angekommen am Beginn eines neuen Lebens. Welle der Hilfsbereitschaft für 17 köpfige Flüchtlingsfamilie aus dem Irak.

  1. Danke, Hannes, für diese erste ausführliche Information! Es tut gut, von der Hilfsbereitschaft zu erfahren…und es ist eine gute Hilfe zum Weitererzählen, wenn jemand nachfragt…
    Bruder Stefan

    1. Danke Bruder Stefan. Es war übrigens in den letzten Monaten auch einmal ein Gespräch mit Dir – wenn Du Dich erinnern kannst – das mich hat weitermachen lassen und auch noch angespornt hat, die Sache mit der „Herbergsuche“ nicht loszulassen. Es hat letztlich Lösungen gegeben und es hat sich – trotz vieler „Unkenrufe“/Befürchtungen eines ins andere gefügt. Ich hab übrigens den Hamid, das Oberhaupt der Familie, den Du schon mal kennengerlernt hast, in den letzten Tagen gefragt, was er sich vorstellt in Österreich, welche Perspektive er hat …..jetzt am Beginn eines völlig neuen Lebens mit 56 und mit der Verantwortungslast für seine ganze Familie; Er hat einfach zum Himmel hinauf gedeutet und hat mir wieder mal gezeigt, dass wir vielleicht eines auch in Europa mehr brauchen: „Gottvertrauen“ anstatt „Angst und Unsicherheit“. Aber, auch wenn die ersten Tage gut gegangen sind, so wird´s doch jetzt noch ganz schwierig für die einzelnen Familienmitglieder, bei uns ins Leben reinzufinden – da wird´s Höhen und Tiefen geben, da werden sie den richtigen Weg finden müssen mit „viel und wenig“ gleichzeitig umgehen zu können … Und dann ist ja da noch der Flüchtlingsstrom generell – und der wird wohl auch nicht so schnell abreissen und vielleicht wird auch noch die eine oder andere Familie dazukommen, wo wir auch wieder Wohnmöglichkeiten usw. brauchen…; Also es geht weiter und ich freu mich daher schon sehr auf das nächste Gespräch mit Dir :-).

Kommentar verfassen