Ardagger: Landflucht auch bei uns? Ein profil Artikel überzeichnet. Der Sog der Zentren bringt aber auch für uns Herausforderungen und Veränderung!

Die öffentliche Diskussion über subventionierte Bankomaten und generelle Probleme mit der Nahversorgung und anderen Infrastrukturen in ländlichen Gemeinden hat kürzlich „profil“ Redakteurin Eva Linsinger auch in unsere Gemeinde Ardagger geführt, denn mit der Stephansharter Bankschließung vor gut 1 Jahr stand ja auch bei uns der dortige Bankomat zur Diskussion. Entstanden ist aus dem über 2h langen Gepräch mit der Redakteurin ein vordergründig sehr pessimistisch wirkender Artikel, den Du hier nachlesen kannst >> Lies hier den Bericht im Profil.

Attraktives Land

Schade, dass im Artikel zwar im Kern die richtigen Problemstellungen angesprochen werden, dass aber regionale oder lokale Lösungswege und Qualitäten des Lebens am Land gar nicht zu Wort kommen: Zum Beispiel die Initiative Minihofladen in der ehemaligen Bankfiliale oder die Chancen als Wohngemeinde in der Nähe zum Arbeitsplatzstandort und Verkehrsknoten Amstetten, die Möglichkeiten der Digitalisierung und das Anzapfen der internationalen Datenautobahn für neue Arbeitswelten am Land oder die Nähe zur „realen“ Autobahn als „Bringer“ neuer  Betriebe und Jobs und schließlich auch die aus Problemen entstehende Innovationskraft der Menschen, die Lebensqualität, die Sicherheit, die gute Nachbarschaft, das Vereinsleben und vieles vieles mehr ……. Für Eva Linsinger vom profil und einige Journalistenkollegen der großen österreichischen Qualitätsmedien gäbe es da abseits der Zentren und der von ihnen vermuteten Tristesse am Land viel Stoff für Geschichten über Potentiale, über junge und engagierte Menschen, über tolle Feste und Feiern, auch über große Menschen und  „kleine“ – oft unvermutet anders seiende Politiker, und auch über jene, die am Land ihr Heil vor der Stadt wieder gefunden haben.


Diskussion

Übrigens hat der Artikel – zumindest unter einigen profil Lesern in unserer Gemeinde – auch deutliche Reaktionen ausgelöst, denn jetzt ist Ardagger im Norden von Amstetten wohl keine wirklich schrumpfende Gemeinde und mit Eisenerz und anderen Kommunen in peripheren Lagen schon gar nicht vergleichbar, wie die beiden nachfolgenden Mails zeigen:


Herausforderungen aktiv begegnen

Wie geht das aber jetzt wirklich? Nämlich aus den  „Sorgen“ über Veränderungen am Land auch wieder „Chancen“ zu machen? Wo liegen die größten „Schwierigkeiten“ für die tägliche harte Arbeit in den Gemeinden und welche Möglichkeiten tun sich durch innovative Lösungswege für das Landleben der Zukunft auf?

  • Der Bildungsflucht online entgegenhalten. Ich bin der Meinung: Die erste und größte Ursache moderner „Landflucht“ bei uns ist die „Bildungsflucht“. Denn HTL´s, FH´s und Uni´s – das finden junge Menschen nur in den Zentren, >> in Zukunft könnten e-learing und Online Uni´s aber die Bildung wieder zurück auf´s Land bringen.
  • Dem „Zug zur Arbeit“ regionale Entwicklungszentren und hochwertige Daten- und Verkehrsverbindungen entgegensetzen.  Natürlich ziehen Menschen aus peripheren Regionen auch der Arbeit nach. Und das oft bis in die Zentren oder in die Speckgürtel rund um die Zentren von Linz, Wels, Steyr, St.Pölten oder Wien, >> In Zukunft sollte die Nähe zu hochrangigen Verkehrsnetzen auch das Land wieder als Betriebsansiedlungs- und Arbeitsplatzstandort attraktiv machen. Und immer schnellere Verkehrsmittel von den Wohngemeinden in die städtischen Hotspots eine breite Bevölkerungsdurchmischung weiterhin sicherstellen.
  • Auch bei Lebensmitteln muss sich das Land auf den Ursprung vom Land besinnen. Herkunft und Regionalität sind mittlerweile handfeste Marketingargumente in großen Konzernen. Höchste Zeit, dass der ländliche Raum selbst erkennt,  dass das „Beste“ so nahe liegt. >> In Zukunft müssen kleinregionale Kreisläufe auch von den Menschen am Land als Mehrwert auf den man stolz sein kann und der das Landleben noch lebenswerter macht, wahrgenommen werden!
  • Leerstand ist eine Frage der Sicherheit. Aber dabei darf der „unproduktive“ Zahn der Zeit nicht übersehen werden. Hinter so mancher Fassade im Dorf ist es ziemlich leer geworden. Oft kommen „Neue“ oder Erben……., aber nicht immer! Denn Viele wohnen schon woanders und wollen dann das Haus der Eltern, Großeltern, von Onkel oder Tante als Sicherheit erhalten und um das Andenken zu bewahren ………  >> In Zukunft dürfen leerstehende Häuser im Dorf nicht als Sparanlage missverstanden werden. Nur ein aktiver und produktiver Umgang mit den Immobilien erhält auch die Dörfer lebendig und attraktiv.

Am Ende geht´s um mehr ……

Ich hab bei uns den Eindruck: Die Menschen schätzen das Leben am Land wieder immer mehr. Und so haben gerade Projekte wie der Minihofladen Stephanshart, alle Formen der Kinderbetreuung oder der Wochenmarkt und überhaupt unsere Nahversorgung, der Arzt und Zahnarzt und vieles andere einen enormen Stellenwert, weil´s das alles bei uns noch gibt und wir das bewusst wahrnehmen! Auch heimische Produkte mit Herkunft werden wieder geschätzt und überhaupt sind Fragen der Lebensqualität und des ZuHauses wichtiger denn je.

Und Schließlich halten die Menschen hier bei uns wirklich noch zusammen.  Natürlich wird auch mal gestritten. Und es ist  auch bei uns nicht nur Idylle, aber die Vereine, die Feuerwehren, die Wirtshäuser, die Nachbarschaften und viele Orte des Treffens und Zusammenkommens und selbst die Internetforen, wo sich unsere Gemeindebürger „austauschen“, sind  einfach unschätzbare „Gemeinschaften“,die unsere Orte ausmachen und wo Nähe auch zur Bekanntheit, zum Schutz und zur gemeinsamen Sorge wird.

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2 Gedanken zu “Ardagger: Landflucht auch bei uns? Ein profil Artikel überzeichnet. Der Sog der Zentren bringt aber auch für uns Herausforderungen und Veränderung!

  1. Lieber Hannes! Du hast mit deinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen 👍🏼 Mich hat es auch sehr geärgert, dass unsere Gemeinde im Profil als tristes Dorf ohne Perspektiven dargestellt wird – dem ist überhaupt nicht so, sondern ich habe das Gefühl, dass unsere Lebensqualität zunehmend steigt und auch die Besonderheiten des Landlebens von den Bewohnern geschätzt wird. Also ich kenne durch meine berufliche Tätigkeit das Stadtleben und ich würde nicht tauschen wollen. Daher finde ich insgesamt die Linie des Artikels sehr negativ behaftet. Schade

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  2. Die Profil Redaktion ist aber zumindest so selbstkritisch, dass Leserbriefe, die die falsche Darstellung richtig stellen, auch veröffentlicht werden.

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