NÖAAB: Flexible, arbeitnehmergerechte Arbeitszeiten wollen eigentlich alle! Aber eine sachliche Diskussion ist notwendig!

„Wissens- und Projektarbeit“ ist sehr oft flexibel und gerade in Teams, die über den Globus verteilt arbeiten, nicht „9 to 5“ machbar. Dafür aber mit Mehr-Zeiten, die dann flexibel wieder für  Freizeit, Familie und Erholung auch abseits von Urlaub eingesetzt werden.

 

Die Arbeitswelt ist im Umbruch, weil sich die Jobs so massiv ändern. Wer bei Arbeit an Schicht- und Industriearbeit dachte oder an Beamten- und Bürojobs (nine to five), sollte heute immer mehr an Wissensarbeiter, Projektmanager, Dienstleister und Entwickler denken. Auch unsere Gesellschaft ist im Umbruch und wer noch vor Jahren beim Thema Einkaufen an Montag bis Freitag und Samstag bis mittag dachte, der sollte sich auch der Realität bewusst sein: Wir wollen und können heute online 7 Tage die Woche 24h lang einkaufen und wir wollen die Dinge rasch – wenn möglich auch am Samstag und Sonntag geliefert bekommen und wir möchten auch sonst jede Dienstleistung so flexibel und spontan wie möglich „konsumieren“.

Und damit ist wohl auch klar: Flexible Arbeitstzeitlösungen, die auch auf individuelle Anforderungen des Jobs und auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angepasst sind, ergeben sich aus diesen Veränderungen einfach automatisch.

Und genau deshalb gibt´s und deshalb muss es auch die Diskussionen und letztlich die Initiativen für einen rechtlich abgesicherten Rahmen für flexible Arbeitszeiten geben. Wer das allerdings nur mit der ideologischen Brille anschaut und mit der Absicht, uniform gleiche Lösungen für alle (wie´s halt bisher immer war) zu wollen, sollte sich da wohl der unterschiedlichen Realitäten der heutigen Arbeitswelten, der heutigen Kinderbetreuung, der heutigen Partnerschaften und Freizeitgewohnheiten und der heutigen Lebenseinstellungen der Menschen bewusst werden. Und die sind allesamt flexibel geworden. Und darauf muss ein moderner Gesetzgeber auch reagieren!

Am Ende braucht´s eine besonnene Diskussion, die die Sache in den Vordergrund stellt, die das Zusammenwirken von Unternehmern und Arbeitnehmern in „gemeinsamen Unternehmen“ in den Vordergrund rückt und die allen gemeinsam auch die Möglichkeit gibt, gemeinsam weiter erfolgreich zu sein.

Die NÖN im Bezirk Amstetten hat mir vergangene Woche übrigens dazu folgende Fragen zur Arbeitszeitflexibilisierung gestellt. Vielleicht interessieren Dich meine Antworten, die Du hier in vollem Umfang lesen kannst. Anschließend auch der NÖN Artikel, wo Du auch die Meinung anderer Politiker, Interessensvertreter und Meinungsbildner liest.

NÖN: Wo liegen die Vorteile für die Unternehmer?

Unternehmen können besser auf Zeiten mit hohem Arbeitsanfall reagieren und haben jetzt eine Möglichkeit, flexibles Arbeiten auch mit ihren Mitarbeitern klar zu vereinbaren. Bisher ist das zwar auch passiert, aber die Rechtsgrundlage hat oft gefehlt, wenn Monteure bei Baustellen 12 Stunden gearbeitet haben oder mit An-/Abfahrt eingerechnet so lange unterwegs waren.

NÖN: Gibt es für Unternehmer auch Nachteile durch die neue Regelung?

Unternehmen, die glauben, jetzt freie Verfügbarkeit über Arbeitnehmer zu haben, täuschen sich, denn mit den neuen Regelungen sind die Rechte der Arbeitnehmer, die in kleinen Unternehmen zum Beispiel: Keine Betriebsräte oder keine Betriebsvereinbarungen haben, auch klar gelegt und somit besser geschützt.

NÖN: Wo liegen die Vorteile für die Arbeitnehmer – wo die Nachteile?

In Zukunft ist es für Arbeitnehmer möglich – freiwillig an nur 4 Tagen die Woche 40 oder mehr Stunden zu arbeiten, dafür dann aber am 5. Tag vollkommen frei zu haben. Oder Arbeitnehmer können gerade bei Auswärtsaufträgen, Montagen usw. wo sie ohnehin von der Familie getrennt sind, schneller fertig arbeiten und einen ganzen Tag ausnutzen, um dann früher wieder heimzukommen. Und Arbeitnehmer können auch gerade in neuen Berufsfelder und bei Projekt bezogener Tätigkeit, auch zeitlich unabhängiger tätig sein.

NÖN: Verlieren die Arbeitnehmer mit Gleitzeitregelung nun die Zuschläge für die 10. und 11. Arbeitsstunde oder nicht?

Man muss Gleitzeitregelung von angeordneten Überstunden unterscheiden. Gleitzeit und das Ausmaß kann auf Wunsch des Arbeitnehmers möglich sein. Gleitzeitregelung bedeutet aber nicht, dass ich mehr als 8 Stunden arbeiten muss, sondern, dass ich meine 8h innerhalb eines gewissen Zeitkorridors erbringen kann. Wenn ich mir die Arbeit innerhalb dieses Zeitkorridors so einteile, dass ich an einem Tag 10 Stunden aufgrund meiner eigenen Entscheidung arbeite, um am nächsten Tag nach 6h nach Hause gehen zu können, dann fallen keine Zuschläge an. Wenn allerdings der Chef bittet, ein anfallendes Projekt noch fertig zu stellen und man willigt ein, dann ist die Mehrarbeit als angeordnete Überstunden zu sehen und es fallen klar auch Zuschläge an.

NÖN: Die 9. und 10. Stunde kann der Arbeitnehmer künftig nicht mehr ablehnen. Er kann praktisch fünf Mal die Woche dazu „gezwungen“ werden. Gut oder schlecht?

Das stimmt so nicht. Es ist mir ein besonderes Anliegen hier nochmals die wichtigsten Punkte klar zu stellen: Der generelle 8-Stunden Tag bleibt nach wie vor bestehen. Darüber hinaus wird es in Zukunft möglich sein, freiwillig länger – nämlich bis zu zwölf Stunden pro Tag arbeiten zu können. Die Betonung liegt dabei auf Kann und nicht auf Muss! Die Freiwilligkeit ist dabei wesentlich! Durch diese Möglichkeit kann man Tage- oder Wochenweise länger arbeiten, dafür hat man auch Tage- und Wochenweise länger frei. Dadurch wird etwa die 4-Tage-Woche möglich. Im Detail heißt das: Man kann bis zu 12 Stunden pro Tag arbeiten und bis zu 60 Stunden pro Woche arbeiten. Für die geleistete Mehrarbeit wird es entweder mehr Geld oder mehr Freizeit für die ArbeitnehmerInnen geben! Sowohl die Freiwilligkeit als auch die Abgeltung der Überstunden sind wesentliche Eckpunkte der Arbeitszeitflexibilisierung und hier wird diesbezüglich eine Klarstellung im Gesetzestext erfolgen.

NÖN: Welche Gründe genügen, um die 11. oder 12. Stunde ablehnen zu können? Angenommen ein Arbeitnehmer hat eine Musikprobe, oder eine Feuerwehrübung? Ist das ein Grund? Ist eine Physiotherapie ein Grund? Ist eine Geburtstagsfeier eines guten Freundes, die schon seit Wochen geplant ist ein Grund?

Die 11. Und 12. Stunde wird „freiwillig“ sein. Dies wird auch im Gesetz klargestellt werden. Kein Arbeitnehmer kann gekündigt werden, nur weil er Überstunden ablehnt!

NÖN: Wie oft wird ein Arbeitnehmer ablehnen können, ohne Nachteile zu haben?

Mit der „Freiwilligkeit“ stellt sich diese Frage nicht. Am Ende wird ein Unternehmen immer einen Konsens zwischen den Interessen der Unternehmer und den Interessen der Arbeitnehmer suchen. Und ich kenne sehr viele Arbeitnehmer, die jetzt schon bis zu 12h arbeiten und das jetzt auch nach klaren Regelungen machen wollen, um Arbeitszeit und Freizeit optimieren zu können.

NÖN: Ist es demokratiepolitisch gerechtfertigt, die Regelung als Initiativantrag ohne reguläre Begutachtung durchzupeitschen?

Eine normale Begutachtung hätte ja stattgefunden. Jedoch hat dies die SPÖ im zuständigen NR Ausschuss abgelehnt.  Dies ist sehr schade, weil so kann keine sachliche Diskussion stattfinden. Ein interessantes Detail dazu: Die Grundlage des vorliegenden Entwurfs zur Arbeitszeitflexibilisierung ist ein Vorschlag der Sozialpartner vom Juni 2017.

NÖN: Wird damit der Einfluss der Betriebsräte in den Firmen beschnitten?

Nein. Die werden wichtiger, weil sie die neuen Regelungen auch für ihre Betriebe umsetzen und nutzen werden. Für mich ist es eine Aufwertung ihrer Funktion, wenn sie die Sache für ihre Mitglieder ernst nehmen!

Verhandlungsarbeit und Teamarbeit. Sehr oft außer Haus mit langen An- und Abfahrtszeiten, die lange 12h Tage bewirken.
Baustellen, die fertig gestellt werden müssen bevor der Beton hart wird. Und wo Arbeiter immer öfter Freitag Frei Modelle leben!
Verhandeln und Entwickeln, Verkaufen und Vereinbarungen abschließen. Nicht immer ist das auf die Tagesarbeitszeit zu beschränken. Auch hier braucht´s Flexibilität!
Und auch die Farbe sollte noch trocknen, bevor das Projekt übergeben werden soll oder bevor man im Haus wieder einzieht. Wir wollen ja auch als Häuslbauer von den Handwerkern flexible Arbeitserledigung, dann müssen wir auch den rechtlichen Rahmen dafür schaffen.

 

 

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