Ardagger Markt: Entwicklungen und Perspektiven für den Ort im GEH-Spräch entwickeln. Herzlich willkommen!

Das ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich bietet immer wieder mit Architekten und Fachleuten Ortsbegehungen an, wo mit den Augen „anderer“ gemeinsam mit der Ortsbevölkerung ein Blick auf die Gestaltung aber auch die Entwicklung von Orten gelegt wird. In Ardagger MArkt wird jetzt am kommenden Freitag ein solches GEH-Spräch – also eine Wanderung durch den Ort, wo Entwicklungen besprochen werden – stattfinden. Ich darf dazu Interessierte, aber vor allem auch die Ortsbevölkerung ganz herzlich einladen.

Das ist der Hintergrund des GEH-Spräches aus Sicht der Gemeinde?

Ardagger Markt ist ein Ort mit vielen hundert Jahren Geschichte. Aber als der Markt damals gegründet wurde, hat keiner an Autos und Parkplätze gedacht. Damals war Energiesparen und Dämmung kein Thema und wo heute hinter den Wohngebäuden, die zur Straße gewandt sind, noch leere Ställe und Scheunen stehen, waren diese früher voll mit Rindern, Schafen und Schweinen. Heute stellen wir fest, dass immer weniger Menschen im Ort wohnen. In so manchem Haus, wo früher bis zu 10 Personen und mehr Platz fanden, leben heute vielleicht noch 2 Menschen, während auch Junge weggezogen sind. Und einige Häuser sind gar nicht mehr oder nur mehr zu Wochenenden bewohnt. Auch beim Handwerk, bei der Nahversorgung und beim Gewerbe ist
nicht alles in Stein gemeißelt und es hat in den letzten Jahrzehnten auch da Veränderungen geben.
Es herrscht schon viel Leben im Markt und Vieles hat sich auch sehr sehr positiv entwickelt, aber wir wollen  Entwicklungen der Zukunft auch ins Auge schauen und uns einfach einmal bewusst machen, wie unser Ort dasteht.
Ich lade Sie deshalb ganz herzlich zu diesen GEH-Sprächen ein, um beim Wandern durch den Ort
Entwicklungen bewusst anzuschauen und einfach darüber zu reden…

  • wie wir junge Menschen in Zukunft wieder mehr für´s Wohnen im Ort begeistern können
  • wie wir dazu vor allem alte Häuser nutzen können, um nicht neu bauen zu müssen
  • wie wir auch die Infrastruktur (Straßen, Parkflächen) anpassen können
  • wo es schon sehr gute Beispiele gibt
  • was es sonst noch braucht, um einen Ort voller Menschen zu haben anstatt schöner
    Gebäude, die vielleicht irgendwann „schleichend“ leer stehen.

Das ist der Hintergrund des ORTE Architekturnetzwerkes beim GEH-Spräch:

Eingebettet zwischen Donau und Mostviertler Hügelland liegen die Katastralgemeinden Ardagger Markt, Ardagger Stift, Kollmitzberg und Stephanshart, die in der Marktgemeinde Ardagger administrativ vereint sind und trotzdem ihre Vielfalt wie Eigenständigkeit bewahrt haben. Von den vier Gemeinden fällt Ardagger Markt besonders ins Auge, liegt sie doch eingeschnürt zwischen dem Hochwasserschutzdamm mit der B119 und dem Hang. Sie zeichnet sich durch eine intakte Infrastruktur im „Altort“ und den neuen Ortsteil – der Sonnensiedlung – in attraktiver Hanglage aus. BewohnerInnen von Ardagger sowie Interessierte aus den Nachbargemeinden sind eingeladen, den Ort im gemeinsamen Gehen, Betrachten und miteinander Sprechen zu erkunden. Abschließend werden im Gasthaus Stöger und PapperlaPub die Wahrnehmungen gemeinsam reflektiert. – Im Idealfall entstehen neue Ideen, die dazu führen können, die Gemeinde noch lebendiger und lebenswerter zu gestalten.

Folgende Themenfelder können dabei diskutiert werden: Immer weniger Menschen wollen oder können in manchen alten Häusern mit ungünstiger Erschließung und Zugänglichkeit leben; wie gehen wir mit alter Bausubstanz und dem schleichenden Leerstand um? Wie können junge Menschen den alten Ort wieder attraktiv finden und welche Möglichkeiten gibt es für zeitgemäßes Wohnen? Wie kann der Gebäudestandard ohne Beeinträchtigung des ursprünglichen Charakters technisch und energieeffizient angehoben werden? Wie kann sich eine gute und gemeinschaftliche Infrastruktur in Zukunft entwickeln? Gibt es „vergessene“ Ecken, Plätze, Winkel, die mit Leben erfüllt werden können? Wie können sich der Ort und die Bebauungsstruktur lebendig und trotzdem organisch und harmonisch entwickeln? 

ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich lädt zum interaktiven GEHspräch in der Tradition der Spaziergangswissenschaft, die der Schweizer Soziologe Lucius Burckhardt begründet hat. Dabei werden Phänomene und Maßstäblichkeiten von Gebautem und Ungebautem, Zusammenhänge zwischen Bauen, Wohnen und Arbeiten beim gemeinsamen Gehen und Betrachten aufgezeigt. Beim bewussten Beobachten und miteinander darüber sprechen wird die Umgebung aus sich ändernden Blickwinkeln in einem anderen Tempo und aus einer anderen Perspektive wahrgenommen als beim Blick aus dem Autofenster oder vom Fahrradsattel aus. 

Der Spaziergang versteht sich als Plattform zum Sammeln von Eindrücken, die in dialogischer Form gewonnen werden – alle sind zum Zuhören genauso wie zum Mitreden eingeladen. Die Veranstaltung ist nicht als frontal referierter Stadtrundgang angelegt, der touristische Informationen mit Sightseeing verknüpft; sie lebt vielmehr vom verbalen Austausch, woraus sich die Möglichkeit ergibt, Sicht- und Denkweisen zu überprüfen, um für den eigenen Lebensraum sensibler zu werden. 

Jedes GEHspräch entwickelt seine eigene Dynamik bedingt durch die Erfahrungen und das Engagement der Teilnehmenden. Es beginnt meist mit einer historischen Spurensuche: „Wie war es früher? Was hat dazu geführt, dass es jetzt so aussieht?“, beinhaltetet eine Analyse der Bebauungsstruktur, in der sich auch die Lebensumstände abbilden: „Was funktioniert gut? Was könnte besser funktionieren?“ und widmet sich schlussendlich dem Finden von Ideen und Zukunftsperspektiven, die das Leben in der Gemeinde bereichern sollen.

Anmeldung erbeten unter office@orte-noe.at.
Die Teilnahme am GEHspräch ist kostenlos.

 

 

 

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