Ardagger-Coronavirus: „Bitte behandelt´s die Betroffenen nicht wie Aussätzige wenn sie wieder gesund sind!“

Zwei mit dem Coronavirus positiv getestete Personen (eine Frau und ein Mann) aus unserer Gemeinde haben am Samstag, den 14.3. auf Anregung der NÖN die folgenden Fragen von Redakteur Mag. Hermann Knapp schriftlich beantwortet. Ein großes DANKESCHÖN dafür, denn es zeichnet ein realistisches Bild der Situation von Betroffenen und schildert auch so manche Sorgen, die wiederum anderen im Ort bei der Bewältigung der Angst vor einer eigenen Erkrankung helfen kann.

Das Interview der Frau liest Du hier zuerst. Im danach folgenden link zum bereits veröffetlichten NÖN Artikel ist dann das Interview des betroffenen Mannes zu lesen.

Die Antwort auf die Frage „Gibt es etwas, was sie den Menschen in Ardagger mitteilen möchten?“ darf ich hier dem ersten Interview voranstellen, denn es drückt eine große Sorge der Erkrankten allgemein aus, die wir alle gemeinsam wegnehmen können: Bitte behandelt´s die Betroffenen nicht wie Aussätzige – wenn sie wieder gesund sind.“ hat die Frau gesagt.  Dem schließt sich auch meine Bitte an: Leben wir Zusammenhalt auch jetzt indem wir den Erkrankten ein gutes WORT und menschliche Wärme geben, anstatt mit dem Finger auf jene zu zeigen, von denen wir glauben, dass sie uns anstecken könnten oder das vielleicht schon passiert ist. Die Angst vor einer eigenen Erkrankung kann man auch anders bewältigen.

 

Die erste und wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen körperlich?

Ausser, dass ich Gliederschmerzen, Kopfweh, zuerst Schüttelfrost und danach ein wenig erhöhte Temperatur habe, geht es mir gut.

Wie verkraften Sie ihre Ansteckung psychisch, worüber macht man sich als Betroffener besonders Gedanken?

Glaubte zunächst eigentlich an was harmloses, aber als ich hörte, es gibt positive Tests von Bekannten mit denen ich Kontakt hatte, war die Angst groß, da ich eine chronische Vorerkrankung habe. Ich rief 1450 an und wurde bald getestet. Die Stunden waren fast unerträglich bis der Anruf abends kam und die Amtsärztin sagte: Tut mir leid sie sind positiv. Mein erster Gedanke war, hoffentlich wird´s nicht so schlimm wie man es von den Medien oft hörte, da ich ja zu der Risikogruppe gehöre.

Wollen Sie uns mitteilen, wie und wo Sie sich angesteckt haben?

Wo ich mich angesteckt habe ist jetzt auch egal. Ich habs und wir müssen schnell versuchen, den Virus einzudämmen. Das gelingt eigentlich nur, wenn  jeder zu Hause bleibt – wenn möglich und keinen Kontakt zu anderen hat.

Wäre aus Ihrer Sicht und mit Ihrem jetzigen Wissen über den Coronavirus die Ansteckung vermeidbar gewesen?

Die Ansteckung von meiner Seite wäre nicht vermeidbar gewesen, wenn man Bekannte hat, die selber nicht wissen, dass sie positiv sind. Da vergeht so viel Zeit bis man draufkommt und Freunde hat ja jeder.

Würden Sie rückblickend gesehen anders handeln?

Rückblickend könnte ich nicht anders handeln, denn wenn Du in der Arbeit bist oder Freunde hast und keiner mit dem VIRUS rechnet, weils noch keinen in dieser Gegend gab.

Wie reagiert ihr Umfeld (Verwandte, Nachbarn, Gemeinde) auf Ihre Erkrankung?

Meine Familie und ich haben jetzt 2 Wochen keinen Kontakt zu anderen. Aber Verwandte haben uns schon angerufen, wenn wir was brauchen, sie bringen´s und stellen es vor die Tür

Gibt es etwas, was sie den Menschen in Ardagger mitteilen möchten?

Bitte behandelt´s die Betroffenen nicht wie Aussätzige wenn sie wieder gesund sind. Man wird nach 2 Wochen 2x getestet und nach 2 negativen Tests ist man gesund und die Quarantäne wird aufgehoben. Bitte bleibt´s zu Hause, geht fort nur wenn´s nötig ist. 2 Wochen nur Familie ist auch mal ganz schön und das ganz ohne Stress und Hektik. Mit Freunden bitte nur telefonieren und mal abwarten, denn infiziert ist man ganz schnell!

Fühlen Sie sich medizinisch gut betreut?

Medizinisch brauche ich momentan nichts. Sonst kann ich ja den Hausarzt anrufen. Und jemanden hinschicken der sicher gesund ist, der mir Medikamente vor die Tür stellt.

Wie werden Sie mit Nahrung und sonstigen Waren des täglichen Bedarfs versorgt? Funktioniert das?

Mit Nahrung werde ich gut versorgt. Da meine Familie auch isoliert ist und die keine Symptome haben, kümmern sie sich sehr um mich. Ich halte 2 Meter von ihnen Abstand, aber das ist zum Aushalten, habe ein WC für mich und natürlich auch das Ehebett.

Zum Abschluss: Was werden Sie als erstes tun, wenn die Ärzte ihnen bestätigen, dass Sie Coronafrei sind?

Als erstes wenn ich wieder gesund bin, werde ich meine Familienmitglieder informieren und sagen: Hurra, ich bin wieder gesund. Und die anderen Menschen, die das alles noch vor sich haben in ein Gebet einschließen.

Das Interview des Mannes, das bereits in der NÖN online veröffentlicht ist:

https://www.noen.at/amstetten/interview-mit-betroffenem-coronavirus-patient-jetzt-muessen-alle-zusammenhelfen-ardagger-redaktionsfeed-corona-corona-massnahmen-corona-patient-corona-verdachtsfall-coronavirus-196590016

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