Ardagger-Coronavirus: Aktuelle Lage 17.3.2020

(c) Katja Pfaffeneder

Sg. Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger!

„Kommunikation“ hat den gesamten Tag heute begleitet. Und da nutzen wir jetzt auch in der Gemeinde völlig neue Formen. Grad eben haben wir die erste Gemeindevorstandssitzung per SKYPE zwischen den 7 Mitgliedern aus Kollmitzberg, Ardagger Stift, Ardagger Markt und Stephanshart und unserem Amtsleiter beendet. Inhaltlich haben wir ein gemeinsames Bild der Lage aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeichnet. Es sind ja im Vorstand mittlerweile 1 selbst infiziertes Mitglied und 3 Personen, die auch unter häuslicher Quarantäne stehen, dabei. Und das ergibt dann schon eine sehr realistische Einschätzung. Und daher wieder in Kurzform die Eindrücke und Ereignisse des heutigen Tages:

  • Aktuell sind bei uns mit Stand 17.3.2020 jetzt 18 Personen mit dem Virus infiziert.
  • Unsicherheiten über Bescheide der Bezirkshauptmannschaft habe ich heute zum Anlass genommen, um ausführlich zu erklären, was es mit diesen auf sich hat und auch für noch nicht betroffenen ist es eine Erklärung, wie die Behörden mit den Coronafällen umgehen >> hier geht´s zum Bericht „Was passiert behördlich, wenn ich infiziert bin oder mit Infizierten in Kontakt gekommen bin?“ >> https://wp.me/p2c3k2-5os
  • Zum Befinden von Betroffenen und Erkrankten in unserer Gemeinde hatte ich heute einen WhatsAPP Chat mit einer erkrankten Frau. Ich darf diesen mit ihrer Zustimmung hier auch veröffentlichen und er soll wie auch die anderen Erfahrungsberichte dazu beitragen, die Sicht der Infizierten besser kennenzulernen:

[09:01, 17.3.2020] Erkrankte: …Ich hoffe sehr dass dieser Spuk bald ein Ende hat und vor allem, und dafür bete ich, keine Opfer hat.
[09:49, 17.3.2020] Johannes Pressl: Hoff Ich auch. Wie geht’s Dir persönlich? Bist wenigstens halbwegs gesund?
[09:51, 17.3.2020] Erkrankte: Ist ein auf und ab. Mal besser, mal schlechter. Solange es nicht schlimmer wird, ist es zum aushalten.
[09:58, 17.3.2020] Johannes Pressl: Würdest Du mir was raten, was wir für Erkrankte organisieren könnten oder wie wir vielleicht Zuspruch geben können oder was noch nicht Infizierte wissen müssten…..?
[10:14, 17.3.2020] Erkrankte: Vor allem und das ist sicher leicht gesagt, nicht in Panik verfallen. Angst schwächt das Immunsystem und man ist anfälliger. Ablenkung dass man nicht immer daran denkt. Vielleicht Bücher organisieren, Romane, eine schöne Lektüre, Wolle vielleicht zum Handarbeiten, vielleicht ein Flugblatt herausgeben, mit positiven Suggestionen. Irgendeinen Sinn wird das Ganze haben. Wenn man allein schon die Entschleunigung anschaut und die Natur. Und das ganze nicht ignorieren. Wir haben wirklich zum Glück so glaube ich, eine abgeschwächte Form des Virus. Ich hoffe ich hab dir vielleicht ein paar Tipps geben können.
Ich glaube dass die Angst krank zu werden oder schon zu sein, mehr Schaden anrichtet, als die Krankheit selbst.
[10:16, 17.3.2020] Erkrankte: Und wenn man schon krank ist, und man die Möglichkeit hat, und dabei mit niemandem in Kontakt kommt, sich warm einpacken, und sich raussetzen. Frische Luft und Sonne tut trotzdem sehr gut.

  • Einen TOP Job macht derzeit unser Ärzteehepaar Höllrigl-Raduly und das gesamte Team. Rund 90% der Patientenprobleme, Medikamentenbestellungen und Auskünfte  wurden heute über das Telefon gelöst. Maximal 3 Personen werden in den Warteraum – und das auch nur mit Abstand – eingelassen. Und das gesamte Team trägt Schutzmasken – zum eigenen und zum Schutz der Patienten. Der Versorgungsauftrag, hat mir heute Dr. Ferenc Höllrigl-Raduly gesagt, wird zu 100% erfüllt und eine nette Geschichte hat er mir auch erzählt: Gestern musste er bei einem Patienten Nähte herausnehmen. Und nachdem im Wohnhaus zu dem er gefahren ist, auch Infektionsgefahr bestand, hat er die Nähte kurzerhand im Freien entnommen. In der frischen Luft besteht schlichtweg keine Infektionsgefahr!
  • Angelaufen ist heute unsere Bring- und Holbörse. Und da haben sich einerseits schon 15 Personen aus allen Teilen der Gemeinde gemeldet und andererseits sind auch schon die ersten Erledigungen gemacht worden. Du kannst gerne helfen oder auch die dort aufgelisteten Kontakte nutzen. >> https://wp.me/p2c3k2-5ny
  • Die Versorgung klappt – zwar in reduziertem Ausmaß – aber trotz Quarantänen nach wie vor sehr gut und wir haben da ein neues Angebot zum Gajfahren von einem Bäcker erhalten und auch das Packerl und Kisterlservice bei Moser auf Bestellung läuft. Hier findest Du auch heute wieder aktuell zusammengestellt alle, die >> https://wp.me/p2c3k2-5m4
  • Und einige nette Aktionen haben die Menschen, die sich in Quarantäne befinden, heute schon geliefert. Da war zum einen die Schnapsflasche, die mir ein älteres Ehepaar per WhatsApp geschickt hat und die dort als Desinfektionsmittel für innen und aussen zur Virenabwehr dient. Dann war da die „Beschallung“ der Weinbergsiedlung um 18.00 Uhr. Unser Schulwart hat aus seiner Soundanlage 2 richtige Ohrwürmer zum besten gegeben und damit Applaus der ganzen Siedlung eingeheimst und Motivation, diese Aktion wohl jetzt täglich steigen zu lassen. Und dann war schließlich auch der Wunsch einer Frau aus Stephanshart, die mich gebeten hat, mit dieser Tageszusammenfassung einfach auch eine nette Blume mitzuschicken. Dem komme ich gerne nach und habe ein Bild von Katja Pfaffeneder aus Ardagger Markt herausgesucht, das zur Jahreszeit passt und ganz vorne diesen Bericht ziert.

Da diese Zeit auch viel zum Nachdenken anregt, darf ich Dir abschließend für heute noch 2 interessante links weitergeben. Zum einen eine philosophische Betrachtung darüber, was das CORONA VIRUS möglicherweise neben der gesundheitlichen Problematik auch noch mit uns und dieser Welt macht und zum anderen ein Bericht der ORF Wissenschaftsredaktion, die sich in Zeiten der Entschleunigung mit Quarantänestress auseinandergesetzt hat. Ich wüsche Dir eine kritische aber auch spannende Lektüre:

6 Gedanken zu “Ardagger-Coronavirus: Aktuelle Lage 17.3.2020

  1. Kompliment Hannes, mit deinen Beiträgen, gelingt es dir immer uns aktuell zu informieren und uns gleichzeitig Mut und Hoffnung zu geben. 🌺

  2. Guten Morgen Hannes,

    man geht ja davon aus, dass die Ausbreitung des Virus nicht zu stoppen ist.
    Man kann das mit den getroffenen Maßnahmen nur verlangsamen.
    Und das ist natürlich voll in Ordnung und viel mehr kann man derzeit wirklich nicht tun.
    Was ich mir denke (und in der häuslichen Absonderung hat man ja viel Zeit zum nachdenken) ist, dass wenn die Anzahl positiv Getesteter wie erwartet ansteigt, werden die von Dir jetzt beschriebenen Anordnungen der Gesundheitsbehörde (BH) nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Einfach weil es zu viele positiv Getestete und noch viel mehr Menschen gibt, die mit denen in Kontakt waren.

    Momentan rufen auch alle nach mehr Tests. Was hilft mir ein Test, der mir die scheinbare Sicherheit vermittelt, dass ich (noch) virusfrei bin und mich im nächsten Moment schon infizieren kann? Und das Ergebnis eines positiven Test wenn ich (noch) symptomfrei bin oder keine argen gesundheitlichen Probleme habe ist doch, dass ich einfach häuslich abgesondert werde.

    Was mir daher auch immer mehr klar wird, die aktuelle Panik vor Infektion sieht man viel gelassener wenn man sich bewusst macht, dass – lediglich verlangsamt durch die Maßnahmen – sowieso jeder zweite in AT früher oder später infiziert sein wird (erwünschte Herdenimmunisieren). Wie gesagt es darf nur nicht explosionsartig passieren.

    Daher finde ich eine neue goldene Regel (siehe heutiger Kurier) die lautet #ActLikeYouAreInfected für die unmittelbare Zukunft äußerst zielführend.
    Mehr als dazu aufzurufen genau das zu tun, werden die Behörden bald nicht mehr tun können.

    Und wir in Ardagger sollten genau das schon jetzt tun.

    1. Danke Josef, ich sehe zwar keine „erwünschte Herdenimmunisierung“, aber ich glaube auch, dass es über kurz oder lang eine gewisse „Durchinfektion“ geben wird, auch wenn wir´s nicht wollen! Aber da ist wohl nur ein „semantischer“ Unterschied. Das Eregebnis ist unterm Strich das Gleiche! Und sonst auch 100% „der Chor“! DANKE nochmals!

  3. Zum Thema Desinfizieren: Man hört, der Virus ist nicht sehr beständig gegen gewöhnliche Haushaltsreiniger. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann das WHO-Rezept für ein erprobtes Mittel zusammenmischen ( https://www.who.int/gpsc/5may/Guide_to_Local_Production.pdf?ua=1 bzw dt: https://praxistipps.chip.de/desinfektionsmittel-selber-machen-anleitung-so-gehts_117750 ) Die Einzelkomponenten sind jeder für sich nützlich auch für andere Zwecke, falls man nach der Krise noch Vorräte hat. Erhältlich bei der Apotheke, Amazon und Ebay etc…

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