Der Bahnknoten Amstetten. Für Ardagger seit 160 Jahren von großer Bedeutung.

(c) Stadtarchiv Amstetten – Amstetten im Jahr 1931 – Blick in Richtung Ardagger

Seit 1858 fährt die heutige Westbahn durch Amstetten. Seit dieser Zeit hat sie auch für das Umland unserer Bezirkstadt große Bedeutung. Einerseits war und ist die Bahn seit ihrem Bestehen Arbeitgeber für zahlreiche Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger. Andererseits war die Westbahnstrecke und seit 1872 dann auch die Kronprinz Rudolfsbahn rasch der Schmierstoff für die Wirtschaftsentwicklung für die Region Amstetten und gleichzeitig für die Menschen aus der Region das schnelle Reisemittel in die Bundeshauptstadt, nach Linz, Salzburg oder auch ins Ausland.

Heute diskutiert man in Amstetten und in der gesamten Region wieder ganz besonders über das Bahnhofsgelände und dessen Weiterentwicklung. Wohl auch aus der Geschichte wissend, dass diese Entwicklung sowohl für die Stadt als auch das Umland auf Jahrzehnte hinaus große Bedeutung hat.

Schon vor längerer Zeit wurde seitens des Amstettner Stadtarchives eine Eisenbahnausstellung zusammengestellt, die Du >> hier unter diesem link im Internet nachlesen kannst.

Der Bürgermeister von Amstetten, Christian Haberhauer und der langjährige Stadtarchivar Josef Plaimer, haben mir im Zuge von Gesprächen über die Bedeutung des Bahnhofes für das Umland und die Anliegen der Umlandgemeinden an die Entwicklung rund um den Bahnhof in Amstetten einige Bilder geschickt, die nicht nur beeindruckend sind, sondern auch schaurig, dramatisch die wechselhafte Geschichte aber auch die Bedeutung der Bahn für die Stadt- und die Umlandentwicklung aufzeigen. So lebten zum Beispiel 1880 noch 2.149 Menschen in Amstetten während man 30 Jahre später im Jahr 1910 dann schon 7.469 Einwohner zählte.

Heute pendeln allein aus Ardagger in „Normalzeiten“ 620 Personen täglich zu den Wirtschaftsbetrieben nach Amstetten zur Arbeit und viele weitere nutzen „in Normalzeiten“ die Bahn zur Fahrt nach Wien, Linz, Salzburg …..

(c) Stadtarchiv Amstetten – Bahnhofsgebäude Amstetten im Jahr 1902

Ein historischer Überblick über den Bahnhofsbereich Amstetten (zusammengestellt von den Vertretern des Stadtarchives Amstetten – DANKE dafür!)

Der heutige Bahnhofsbereich von Amstetten gehörte bis 1883 zur Gemeinde Preinsbach und war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt. 1858 wurde Amstetten zur Bahnstation der Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn). Einschneidende Veränderungen brachte der Bau der Kronprinz-Rudolf-Bahn (Rudolfsbahn) mit dem Streckenabschnitt Amstetten – Kastenreith. Damit wurde Amstetten zum Bahnknotenpunkt, was zum Ausbau einschlägiger Infrastruktur im Bahnhofsbereich führte: Von besonderer Bedeutung war die Errichtung einer „Montierungs- und Reparatur-Werkstätte“ für den Bahnbetrieb 1872 (1897: ca. 400 Beschäftigte). Hinzu kam eine Postleitstelle, 1873 eine Telegraphenstation, und 1882 eröffnete das Hotel Bahnhof (Hofmann). Das rasant steigende Güter- und Personenaufkommen der Bahn bedingte einen Ausbau der vorhandenen Infrastruktur. Allein 1906-1910 erfolgte die Vergrößerung des Bahnhofs, der Bau des Heizhauses mit 32 Lokständen und des Wasserturms (1908).

Die verkehrsgünstige Lage Amstettens, ergänzt um die durch das 1901 errichtete E-Werk ermöglichte Bereitstellung elektrischer Energie förderten die Ansiedlung von Unternehmen im Bahnhofsumfeld: Bereits 1884 errichtete die Fa. Avenarius ein Werk, 1903 folgten die Metallwerke G.A. Scheid (spätere Buntmetall) und holzverarbeitende Betriebe wie Guido Rütgers (gegründet 1904).

Die rasch steigende Nachfrage nach Arbeitskräften, in Verbindung mit Bereitstellung von Wohnraum (Bau von Eisenbahnerwohnhäusern ab den 1870ern) förderte den Zuzug nach Amstetten und damit ein rasantes Bevölkerungswachstum. Lebten 1880 noch 2.149 Menschen in Amstetten, zählte man 1910 bereits 7.469. Amstetten wies damit eine der höchsten Bevölkerungsdynamik ganz Niederösterreichs auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg ist zunächst eine Phase der Konsolidierung festzustellen. Abgesehen von der Hutfabrik Ita, die sich in der Spätphase des Ersten Weltkriegs in Amstetten ansiedelte, waren bis in die späten 1930er keine großen Betriebsansiedlungen oder bauliche Entwicklungen im Bahnhofsbereich festzustellen.

Nach ihrer Machtübernahme 1938 planten die Nationalsozialisten ein umfangreiches städtebauliches Programm, das für den Osten der Stadt ein Industrieviertel mit Frachtenbahnhof vorsah. Kriegsbedingt wurden nur Bruchteile dieser Stadtplanung umgesetzt, insbesondere die Anlage des Vorbahnhofs. Einzelne Spuren dieser Stadtplanung lassen sich davon auch heute noch finden: Hierzu zählt v.a. die Widmung des östlichen Bahnhofsbereichs als Industriezone, die ihren Ausdruck u.a. in der Übersiedlung und dem Ausbau des holzverarbeitenden Betriebs Hopferwieser (heute: Umdasch) von der Waidhofner Straße an den heutigen Standort fand. Sowohl Hopferwieser, als auch Rütgers und andere Betriebe im Stadtgebiet profitierten massiv von der kriegsbedingten Nachfrage, was sich u.a. in einem zügigen Ausbau der Betriebsanlagen zeigte. Ab November 1944 wurden die Bahnanlagen zum Ziel alliierter Bombenangriffe, die damit den Wehrmachtsnachschub an der Ostfront behindern wollten. Besonders im Frühjahr 1945 stieg die Bedeutung von Amstetten als Nachschubzentrum massiv an: Dies sieht man daran, dass nach Kriegsende 2.200 Bombentrichter im Bahngelände gezählt und 1.800 zerstörte Waggons beseitigt werden mussten. Noch im März/April 1945 wurde versucht, die Bahnanlagen unter Einsatz von bis zu 3.000 KZ-Häftlingen aus Mauthausen wieder instand zu setzen.

Nach dem Krieg gelang der Wiederaufbau rasch, 1951/52 erfolgte die Elektrifizierung der Westbahn.

(c) Stadtarchiv – Der Bahnhof nach den Bombardements im Jahr 1945
(c) Stadtarchiv Amstetten – Der östliche Bereicht Amstettens im Jahr 1931 – Blick in Richtung Mauer
(c) Stadtarchiv Amstetten – Anlagen der ehemaligen Fa. Hopferwieser, heute Umdasch, im Nahbereich des Bahnhofes Amstetten im Jahr 1944
(c) Stadtarchiv Amstetten – Der Bahnhof Amstetten im Jahr 1945 nach den Bombardements durch die Alliierten
(c) Stadtarchiv Amstetten – Bahnhof 1945
(c) Stadtarchiv Amstetten – Östlicher Bahnhofsbereich um 1930
(c) Stadtarchiv Amstetten – Die Fa. Rütgers am Bahnhofsgelände
(c) Stadtarchiv Amstetten – Stadtplan Amstetten um 1928

 

Vorbahnhof
(c) Stadtarchiv Amstetten – Der Wasserturm in Amstetten ohne Jahresangabe

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