Ardagger Markt: Franz Moser sen. ist im 94. Lebensjahr verstorben. Mit ihm geht eine Legende.

Am Sonntag, dem 22.11.2020 in der früh ließ das Leben nach fast 94 Jahren Franz Moser sen. für immer los ….; Nach Jahren des Schaffens, aber auch nach entbehrungsreichen Lebensjahren. Zuletzt auch nach Jahren der Krankheit und des zusehenden Schwindens der körperlichen Fähigkeiten, in denen ihn die Familie, vor allem seine Frau Elfriede umfassend und mit großer Geduld und Hingabe gepflegt hat. Mit Franz Moser geht eine „Legende“ aus Ardagger Markt für immer: Der Kaufmann, der stets alles im Angebot hatte, der Unionspräsident, der die Sportunion aufgebaut und erfolgreich gemacht hat und auch der Vizebürgermeister, der vor allem den Markt mitgeprägt hat und in der damals neuen Großgemeinde auch öfter als ihm lieb war seinen Langzeitbürgermeister Karl Amon vertreten musste.

Franz Moser jun. hat die wichtigsten Stationen aus dem Leben des Vaters zusammengefasst (Danke dafür!) und ich darf sie hier zum Abschied wiedergeben.

Am 7. Sep. 1927 wurde Franz Moser als 2. Kind der Kaufmannsfamilie Franz und Leopoldine Moser geboren, die seit 1913 hier ansässig waren und einen kleinen Gemischtwarenladen führten. Er besuchte die Volksschule in Ardagger, ab 1937 die Hauptschule in Amstetten. Im Feb. 1938 starb plötzlich und unerwartet sein Vater. Die Mutter und seine (damals 18jährige) Schwester Friederike führten das Geschäft weiter. In den Jahren 1941 – 42 besuchte Franz Moser die Handelsschule in Amstetten. 1943 absolvierte er praktisch das 3. Lehrjahr im Kaufhaus Bachbauer, Euratsfeld. Am 10. Juli 1944 kam die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst, und am 7. Nov. 1944 zum Militär. Nach Kriegsende machte er sich, zusammen mit einem Kameraden aus Steyr, zu Fuß und unter ständiger Lebensgefahr auf den Heimweg von Ostdeutschland zurück nach Österreich. Nach einigen Monaten in amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde er endgültig in die Heimat entlassen und erreichte Ardagger im Herbst 1945 – glücklich darüber, überlebt zu haben, aber bis zuletzt schwer traumatisiert. Jetzt konnte er endlich den erlernten Beruf ausüben und zusammen mit seiner Mutter und der Schwester das ausgeplünderte Geschäft mit viel Fleiß und Sparsamkeit wieder langsam aufbauen. Daneben war er stets bemüht, sein Können und Wissen für die Allgemeinheit einzusetzen. Sein besonderes Interesse galt vorerst dem Sport. Nach dem Krieg waren die Leichathleten aus Ardagger (vor allem LäuferInnen) bei Landesbewerben ganz vorne zu finden. Aus dem Turnverein erwuchs aber auch eine Theatergruppe, in der Franz Moser mitspielte und Regie führte, so lange es den Saal im heutigen Schiffsmeisterhaus gab. Als es die 1. Fußballmannschaft in Ardagger gab, setzte er sich für den Ankauf jener Wiese ein, auf der lange Jahre hindurch das legendäre „Gelsenstadion“ in der Au bespielt wurde.
1954 begann Franz Moser mit dem Neubau seines Geschäftes, das noch im gleichen Jahr in einem der größten Hochwasser der letzten Jahrzehnte versank. 1957 heiratete er seine Frau Elfriede (geb. Veigl, aus Strengberg). Der Ehe entsprossen zwei Kinder: Franz (1958) und Eva-Maria (1960).
Inwischen war Franz Moser auch der FF Ardagger Markt beigetreten. Da die Hausbrunnen im Markt durch immer wiederkehrende Hochwässer verunreinigt wurden, gründete Franz Moser, zusammen mit einigen anderen Funktionären, schließlich die Wasserleitungsgenossenschaft Ardagger Markt, die von einem Bauern in Kollmitzberg eine Quelle erwarb, diese fassen ließ und das Wasser zu einem Hochbehälter oberhalb der Kirche leitete, von dem aus der Ort mit frischem Wasser versorgt werden konnte. In der Folge engagierte sich Franz Moser auch in der Kommunalpolitik als Gemeinderat, später dann geschäftsf. GR und Vizebürgermeister (unter Karl Amon). Er trat stets für vernünftige Lösungen zum Wohle aller ein, war kein fanatischer Parteigänger und wurde dadurch auch von allen anderen Fraktionen respektiert. Da BGM Karl Amon sehr oft in seiner Funktion als Landtags-Abgeordneter in Wien weilte, musste sein Vize Franz Moser häufig zu Amtshandlungen in der Gemeinde ausrücken. Inzwischen war er auch zum Obmann der Sportunion Ardagger gewählt worden. In dieser Funktion, die er durch Jahrzehnte mit Hingabe ausübte, waren es vor allem die guten Kontakte zur Landesleitung, die immer wieder Fördergelder fließen ließen, sodass sich der ständig wachsende Sportverein im Laufe der Jahre ein neues Fußballzentrum mit Kabine und eine Tennis-Anlage mit Clubhaus leisten konnte. Auch in der Agrargemeinschaft Markt Ardagger fungierte Franz Moser viele Jahre lang als Schriftführer. Und weil ihm das Schreiben einfach lag, war er auch Jahrzehnte lang Berichterstatter für die Amstettner Zeitung und später für die NÖN. Die Hobbies von Franz Moser waren das Fotografieren, seine Rosen und der Garten- bzw. Ackerbau. So lange es ihm körperlich möglich war, hat er ein paar kleine Ackerstreifen am Krautberg bewirtschaftet (natürlich mit Hilfe der restlichen Familie) und im Herbst auch noch immer Most gepresst. Das eigene Gemüse aus biologischem Anbau aß er immer mit besonderem Genuss.

Seine Tätigkeiten in der Öffentlichkeit mündeten auch in zahlreichen Ehrungen: In der Gemeinde wurde ihm der goldene Ehrenring verliehen und seitens der Sportunion wurde er mit dem goldenen Verdienstabzeichen geehrt.

Als Franz Moser 1989 das Geschäft an seinen Sohn übergab und in Pension ging, dann war das eher pro forma. Er machte sich weiterhin nützlich, so lange es ging, und war in Gedanken bis zuletzt in „seinem“ Geschäft, das sein Lebenswerk und Legensinhalt war. Wer sich an Franz Moser denk, wird ihn wohl auch im blauen Geschäftsmantel in Erinnerung haben, immer kompetent und hilfsbereit

Die letzten Jahre waren für den Verstorbenen aber auch für seine ganze Familie – besonders für seine Frau Elfriede – keine einfachen: Die Kräfte und körperlichen Möglichkeiten verließen Franz Moser zusehend, während sein Geist nach wie vor ganz klar war. Das eigene Wollen und die gleichzeitige körperliche Beschränktheit klafften derart auseinander, dass auch die Menschen, die Franz Moser Tag und Nacht pflegten, mit dieser Aufgabe mehr als gefordert waren.

Ich darf mich abschließend besonders beim großen Menschen Franz Moser bedanken, der Zeit seines Lebens kaum auf sich geschaut hat und fast nur für die anderen da gewesen ist. Ich darf mich aber besonders auch bei seiner Familie und bei seiner Frau Elfriede bedanken, die ihn zeitlebens unterstützt und ihm bis zu seiner letzten Stunde aufopfernd zur Seite gestanden ist.

Franz Moser sen. war auch immer wieder für ein Spässchen zu haben. Hier bei der 100 jahr Feier mit einigen verkleideten Einkaufsdamen aus Ardagger Markt.
Sehr gerne erzählte Franz Moser von früher. Bücher waren seine Leidenschaft. Ein Wissender war er immer!
Das erste Kassenbuch aus dem Jahr 1913, das sein Vater angelegt hatte, zeigte er mit stolz vor!
Und in diesem Buch war auch zu lesen „Mit GOTT 1913“. Das war für Franz Moser auch besonders wichtig und darauf hat er mich auch aufmerksam gemacht als er mir die Bücher vor einigen Jahren gezeigt hat.
Ein seltenes Bild: Denn zumeist arbeiteten Vater und Sohn Franz Moser zusammen. Hier haben sie ausnahmsweise einmal gemeinsam angestoßen!

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