Ardagger – Frühstücksnews – Montag, 15.3.2021

Sehr geehrte Gemeindebürgerin! Sehr geehrter Gemeindebürger!

Seit 1 Jahr betrifft uns die Corona-Pandemie weltweit und natürlich auch in Österreich. 322 Coronafälle wurden seither bei uns in Ardagger bestätigt – das sind bereits 9% aller Bewohnerinnen und Bewohner – und auch aktuell sind 8 Personen „aktiv“ infiziert. Aber ich möchte heute – anlässlich des „Jahrtages“ des ersten Lockdowns – nicht zurückblicken, denn alle haben wir gemeinsam dieses eine Jahr erlebt und jede und jeder kann mittlerweile seine eigene „Coronageschichte“ darüber schreiben…..;  Ich möchte vielmehr die Herausforderungen skizzieren, die meiner Meinung nach uns allen jetzt erst recht noch bevorstehen:

  1. ….. es wird generell noch länger „dauern“ als uns lieb ist. Das sagt uns allein schon das Gefühl und das sagen >> zum Beispiel im STANDARD auch 4 Experten für unterschiedliche Fachbereiche gleichlautend! Auch die WHO prognostiziert ein Ende der Pandemie – sofern man dauerhaft von einem solchen sprechen kann – erst für 2022 >> schreibt der Kurier. Und auf der Uni Wien – am Vienna Center for Electoral Research– läuft bereits seit dem Vorjahr ein sogenanntes „Coronapanel“>> demnach sehen auch die Menschen diesen Umfragen zufolge noch kein Licht am Ende des Tunnels.
  2. …. der „Neustart“ wird, wenn er denn kommt, die „gute alte Zeit“ auch nicht mehr 1:1 zurückbringen. Viele durch Corona eingeläutete oder verstärkte Veränderungen werden bleiben. Bspw. die starke Digitalisierung in fast allen Lebensbereichen, das Homeoffice, neue Hygienestandards, das Einkaufen im Internet oder auch das dadurch veränderte Mobilitätsverhalten……..; Darauf müssen wir uns einstellen.
  3. ….. die Wege aus der Krise sind nicht mehr so eindeutig vorgezeichnet, wie der Weg in die Lockdowns. „Einfach Zusperren“ war zwar nicht einfach, aber für alle klar. Das „Aufsperren“ hingegen ist komplizierter – zumal die „Standards und Bedingungen“ dafür noch nicht gelernt, geschweige denn „ausdistkutiert“ und gelebt werden. (Aktuell sagen bspw. ja nur 40% der Wirte in Vorarlberg, dass sie unter den ab heute dort geltenden Regelungen überhaupt aufsperren wollen) Und was fängt schließlich ein Wirt damit an, wenn er zwar offen haben darf aber keiner oder nur wenige gehen hin…………
  4. ….. die Menschen sind – je länger die Krise fortdauert – zunehmend gespalten. Politisch einerseits, aber vor allem im Hinblick darauf, was denn jetzt wirklich die richtigen Maßnahmen wären, um alles wieder ins Lot und in eine „neue Normalität“ zu bringen. Gehen wir jetzt impfen oder manche doch nicht oder vielleicht später und was heißt das, wenn die einen mit großer Hoffnung auf eine endgültige Bewältigung der Pandemie (Impfstoff vorausgesetzt) impfen gehen aber dann ihre Freiheit wegen denen, die sich nicht impfen lassen, doch nicht erhalten oder umgekehrt, wenn es Privilegien für die Geimpften gäbe….. – wäre das wiederum eine „indirekte“ Einschränkung für die nicht Geimpften……? Und auch bei den Regeln – durch die vielfältigen Auslegungsoptionen – da wird auch die „breite Akzeptanz“ für Regelungen immer „schmäler“ während umgekehrt proportional dazu die Diskussion auch unter Nachbarn, Freunden und Bekannten automatisch breiter wird, was sich denn jetzt „gehöre“.
  5. ….. es wird vor allem auch Wirtschaftsbereiche geben, die vor der Krise schon strukturell und finanziell gekämpft haben – wo Reformen schon überfällig waren –  und die jetzt mit Corona – tlw. auch mit der einen oder anderen Unterstützung noch durchtauchen konnten – wo´s aber jetzt dann an´s reformieren, verändern – in Einzelfällen sogar ans „Eingemachte“ gehen könnte.
  6. ….. umgekehrt sind andere Branchen – vor allem die Bauwirtschaft und das Handwerk,  auch manche produzierenden Wirtschaftsbereiche und auch Teile des Handels – derart ausgelastet (was man übrigens nicht so laut hört wie die Problemstellungen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen)- dass nach Abarbeiten und Verschiebung der Prioritäten der Menschen später ein Abflachen der Auftragswelle in diesen Branchen erfolgen könnte.
  7. ….. und schließlich wird in Folge dieser wirtschaftlichen Dynamik auch der Arbeitsmarkt weiter enorm „volatil“ bleiben. Während es auf der einen Seite ein Überangebot an Arbeitskräften aus Branchen gibt, die nicht so schnell hochkommen, wird es in anderen eine enorme Nachfrage geben, die aber nicht gedeckt werden kann. Es wäre wohl zu schön, wenn eine Gastronomieservicekraft grad so einfach am Bau oder in einem Handwerk oder im Lebensmittelhandel anfangen könnte – das wird aber wohl erst mit individueller Bereitschaft der Personen zur Veränderung und auch dann erst nach langen Umschulungsphasen passieren …….
  8. …. die größte Herausfordrung für unser Dorf- und Gemeindeleben sehe ich im Vereins- und Freiwilligenwesen – allerdings „differenziert“. Generell glaube ich zwar, dass die Freiwilligkeit nicht abgenommen hat und sich die Menschen weiterhin für eine Organisation, eine Sache oder ein Projekt einsetzen werden. (Wir sehen das bei den Teststraßen, die mit Freiwilligen wirklich exzellent funktionieren). Allerdings gibt es in jeder Organisation nach 1 Jahr nahezu „vollständiger Pause“ immer welche, die´s einfach nicht mehr interessiert oder die sich was anderes gefunden haben. Die Widerbelebung der Strukturen wird manchmal schneller gehen (Sport) aber in anderen Bereichen wie der freiwilligen Kulturarbeit möglicherweise langsamer. Und da wird vor allem von den Obleuten und Führungskräften schon einiges abverlangt, die die teilweise notwendige Neuausrichtung der Vereine als eine große Herausforderung vor sich haben. Denn gereade im Kultur- und Veranstaltungsbereich braucht´s möglicherweise ganz neue Formate, die bei längerer Pandemiedauer und fortgesetzter Regelungen auch „menschenfreundlich“ umgesetzt werden können.

Es gäbe da wohl noch einige Herausforderungen und ich freue mich auch, wenn Du mir auch die schreibst, die ich hier nicht angeführt habe, die Du aber ganz besonders auf uns zukommen siehst. Und schreib mir bitte auch, wo Du anderer Meinung bist. An: buergermeister@ardagger.gv.at oder per WhatsAPP an 0676 6047728.

Die ganz große Lösung für alle Herausforderungen wird´s aber auch nicht geben. Vielmehr glaube ich, werden wir – jeder für sich, aber auch in den kleinsten Gemeinschaften der Familie beginnend bis hin zum Staatsganzen – Flexibilität und den Willen bzw. die Bereitschaft zur Veränderung und Weiterentwicklung in hohem Maße brauchen. Disksussions- und Kompromissbereitschaft inbegriffen…….

Damit noch zu den „Neuigkeiten“ und Aktuellem aus unserer Gemeinde:

  • Das Nachwuchstraining beim SCU Ardagger startet aktuell – unter Einhaltung der Coronaregelungen – wieder. Die Trainer sind schon bestens vorbereitet und freuen sich wieder riesig auf die Kinder.

    (c) Reinhard Tagwerker
  • Beim oberen alten Schiffswrack an der Donau wurde am Freitag wieder getaucht. >> Bereits am 28.8.2020 habe ich in den Frühstücksnews über dieses Wrack geschrieben. Nachdem das Wasser damals enorm trüb war, konnten keine Vermessungsarbeiten durchgeführt werden. Jetzt ist das gelungen und damit wurde auch die VErmutung über den schiffstyp, der hier am Ende des 2. Weltkrieges versenkt wurde, nochmals mit 49m genau bestätigt. Danke an Gerald Tagwerker für diese Initative, die in die „jüngere“ Geschichte unserer Gemeinde blickt.
  •  In den letzten Tagen haben 2 Frauen aus unserer Gemeinde den 90. Geburtstag gefeiert. Ich darf von dieser Stelle Frau Leopoldine Marksteiner aus der Siedlung Kirchfeld ganz herzlich gratulieren und mit diesem Bild auch Frau Theresia Palmetshofer aus der Siedlung Holzhausen am Kollmitzberg. Alles GUTE und vor allem viel Gesundheit!!!

    (c) Raffetseder; Theresia Palmetshofer hat ihren 90. Geburtstag gefeiert.
  • In Niederösterreich werden heuer die >> Kindergärten auch in den 3 Ruhewochen im Sommer durchgehend offenhaben. Seitens der Gemeinde werden wir diesem Beschluss folgend alle Eltern von Kindergartenkindern nochmals anschreiben und auch nochmals erheben, ob Bedarf besteht. Ich habe aber eine große Bitte: Nachdem voriges Jahr oft mehr als 1/3 – manchmal die Hälfte – aller angemeldeten Kinder dann einfach nicht gekommen ist, wir aber trotzdem die Personalressourcen für mehrere Kindergartengruppen stellen müssen, wäre das dann eine richtige Ressourcenverschwendung. Bitte daher um möglichst genaue Planung, um nicht mit einer „Möglichkeit der Kinderbetreuung“ die den Eltern wirklich helfen soll, Personalressourcen und damit Steuergeld zu verschwenden!
  • Bei unserer Teststraße in Ardagger Stift im Pfarrheim waren übrigens vorige Woche am 10.3. 157 Personen testen. Am vergangenen Samstag waren es sogar 275 Testungen. Vielleicht ist auch die hohe Testbereitschaft und die perfekte Organisation und Dichte der Teststraße in unserem Bezirk ein Grund dafür, dass wir in Amstetten eine 7 Tage Inzidenz von unter 100 haben und somit auch keine Ausreisekontrollen, wie sie anderswo stattfinden und in Aussicht stehen, brauchen. Bitte daher weiterhin Acht geben und vor allem auch „testen“!

    (c) orf.at

 

Abschließend wünsche ich Dir alles GUTE für den heutigen TAG und viel Erfolg in der kommenden Woche und schreib mir bitte, welche Herausforderungen Du auf uns in den kommenden Wochen, Monaten und im Jahr 2021 wegen der Pandemie noch auf uns zukommen siehst. Einen schönen TAG!

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