
Ziel der diesjährigen Bildungsreise des österreichischen Gemeindebundes im Oktober 2017 war das EU Vorsitzland Estland. Inhaltlich standen 3 ganz große Themenblöcke im Vordergrund: Die Gemeinde-Gebietsreform, die Energiewende und die Digitalisierung der Verwaltung und des ganzen Landes. Und gerade die Digitalisierung die interessierte uns da aktuell am meisten:
Bereits 20% der Bewohner Estlands hätten am vergangenen Sonntag (es waren Wahlen im Land) per i-voting ihre Stimme abgegeben, wurde uns erklärt und auch das Ummelden, oder der Antrag für einen neuen Ausweis bzw. auch das Anmelden einer Firma sei schon längst über das Internet möglich – jederzeit und mit nur wenigen „Klicks“. Selbst in der politischen Arbeit der Gemeinden hält die Digitalisierung Einzug: Über die Plattformen www.volis.ee oder https://volis.ega.ee werden mittlerweile politische Entscheidungsprozesse unter Bürgerbeteiligung abgebildet. Das Miterleben von Sitzungen via livestreams oder Abstimmungen über Projekte, Vorschläge für das Budget bzw. die Nachlese von Sitzungs- und Projektdokumenten ist hier möglich. Sogar über einen Ersatz der bisherigen Gemeinderäte durch Onlineabstimmungen unter den Bürgern wird in Estland offen und „angstbefreit“ diskutiert. Denn die IT Spezialisten des kleinen Landes haben auch mit BürgerApps oder Tools zur Mitbestimmung in Raumordnungsfragen und einer eigenen „Guide Software“, die die Menschen ihren Fragen entsprechend durch die Verwaltungsangebote im Netz begleitet, schon bewiesen, dass sie echt was drauf haben. Die Kinder, die in Estland allesamt schon „Programmieren“ in der Grundschule lernen, können das bestens verstehen.
Bleibt natürlich die große Frage der Sicherheit: Und da sagen die Esten nur: „Wir sind einfach und safe!“ Das begründet sich auf die zentrale Nutzung eines Chips auf dem Personalausweis in Scheckkartenformat. Mit der darauf gespeicherten elektronischen Identität können sie sich auch im weltweiten Netz digital ausweisen und online Dokumente unterschreiben. Und das ist – weil es nur eine Identifikation und nur 2 Pin Codes gibt – einfach „einfach“. Es ist deshalb nicht eine Frage der Jugend oder des Alters, ob in Estland die Online Verwaltung genutzt wird oder nicht, sondern es ist eine Frage des Komforts und der Zeitersparnis und Einfachheit. Und das will hier jede Generation.
Woran Estland übrigens noch arbeitet, das sind Glasfaser-Internetverbindungen bis in jedes Haus. „Fiber to the Curb“ soll als nächstes kommen und „fiber to the home“ ist dann die ganz große Lösung. Und immer mehr werden die Online Verwaltungsangebote auch via Handy genutzt, hat uns unser Vortragender erzählt. Aber bei Netzausbau und Glasfaser seien auch die Österreicher bereits auf einem sehr guten Weg, sagte er uns – wohl nicht nur aus reiner Höflichkeit……
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat bereits im Mai 2017 über das estnische Digitalisierungswunder berichtet. Hier der damalige Artikel http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/estland-ist-eine-vorzeigenation-bei-der-digitalisierung-15005575-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1
Und in der ZEIT findet sich ein Artikel vom Oktober 2017 über das e-Land Estland: http://www.zeit.de/kultur/2017-10/estland-einwohner-e-residency-10nach8/komplettansicht
Und hier gibt´s noch ein paar Bilder aus meiner Bildergalerie zur Reise nach Tallin: https://photos.app.goo.gl/w50QYg9y6qvkIFPI3
