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ID-Austria – Warum alle den „Generalschlüssel“ zur digitalen Verwaltung brauchen!


Die ID-Austria steht als Markenbegriff für das österreichische System einer digitalen Identität für alle Bürgerinnen und Bürger des Landes. Sie ist also der zukünftige Generalschlüssel jeder Österreicherin und jedes Österreichers zu den sie betreffenden persönlichen aber auch allgemeinen Bereichen der amtlichen digitalen Verwaltung. Und um beim Bild des „Zentralschlüssels“, der alles, was mich angeht sperrt, zu bleiben….; Wenn die ID-Austria im Vollausbau ist, dann brauchts nicht mehr dutzende Passworte und unterschiedlichste Zugangscodes – also kein „Kerkermeisterschlüsselbund“, sondern eine einzige Identifikation am Handy reicht, um vom Finanzamt bis zum Gemeindeamt, von der Polizei bis zur Pensionsversicherung oder vom Arzt bis zum Arbeitgeber alle mich betreffenden Informationen einzusehen, Anträge zu stellen und zentral zu bearbeiten. Kein doppelt eingeben oder auch kein Schlüssel verlieren mehr und überhaupt: Amtswege, Amtsinfos und viele Services werden dann mit höchster Sicherheit von überall am Handy oder Tablet einfach machbar sein.

Aber halt – der Reihe nach: Fangen wir von vorne an:

„Identifizieren Sie sich!“

Du kennst sie sicherlich aus Filmen: Die Siegel, die in der Antike und im Mittelalter – noch vor der handschriftlichen Signatur – von Königen, Bischöfen oder Adeligen hineingerückt in Siegelwachs Dokumente fälschungssicher machten. Abgelöst wurden sie dann – mit zunehmender Ausbreitung der Schriftkultur auf die breite Masse der Menschen – von der persönlichen Namensunterschrift. Sie war und ist Ausdruck der individuellen Hand – einzigartig, persönlich, schwer nachzuahmen. Verträge, Testamente, Kaufbriefe – überall wurde die Unterschrift schon sehr früh zur Rechtsgültigkeit verlangt und wer nicht schreiben konnte, dem wurde ein  „Handzeichen“ oder  sogar ein „Kreuzerl“ abverlangt. Und weil die Unterschrift als „Anerkenntnis“ schließlich zum Massenphänomen geworden ist, entwickelte sich im Lauf der Moderne auch eine „Bestätigungskultur“. Eine eigene Notariatsordnung beispielsweise gibt es in Österreich ab 1850.

Die Digitalisierung wandelt die „amtliche Bestätigung“ nun noch einmal grundlegend. Denn rasch wusste man, dass das einscannen von Unterschriften zwar ein schönes Schriftbild ergeben mag aber sicherlich keine Dokumentensicherheit mehr.

Neue Verfahren waren gefragt und wurden auch gefunden….

Von der Bürgerkarte über die Handysignatur zur ID-Austria

In den Anfängen der digitalen Verwaltung versuchte man sich noch mit Bürgerkarten und Kartensteckterminals zur Identifikation. Ab ca. 2004 als das e-government Gesetz kam….; Aber die Anfänge der „kryptografischen“  Verschlüsselung lagen bei Militär- und Geheimdienstanwendungen eigentlich schon in den 1950iger Jahren. Damals wurde alles ausschließlich nachrichtendienstlich eingesetzt. Nach intensiven Forschungen waren schließlich die Banken ab den 1980iger Jahren die Pioniere in der zivilen Nutzung von Kryptographie. Kartenzahlungen, Kreditkarten und der weltweite Zahlungsverkehr brauchten damals sccon sichere digitale Identifikationen.

Mit dem Internet-Boom in den 1990igern kam es dann zur breiten Anwendung sicherer digitaler Schlüssel überall: SSL/TLS für Webseiten, Digitale Signaturen für Verträge, E-Mail-Verschlüsselung oder bei den Banken für´s Online-Banking ab der Mitte der 1990er Jahre.

Heutzutage sind digitale Schlüssel in fast allen Bereichen notwendig: Beim Einstieg in soziale Medien, beim Zeitungsabo und für die Altersbestätigung für Filme; Aber auch amtlich und hoheitlich auf vielen Plattformen – beginnend beim  Gesundheitswesen (E-Card), über Smartphones (Face-ID/Passwörter) bis hin zur Industrie und schließlich zum  E-Government (ID Austria),

Und in der Verwaltung hatte man damals rasch erkannt, dass der Weg auch hier über das Handy führen würde…..

Und im EU-Ausland?

Die ID Austria ist zwar „nur“ Österreichs Lösung für die amtliche digitale Identität. Aber sie basiert auf dem europäischen Rahmen für eIDAS („electronic Identification, Authentication and trust Services“). Innerhalb dieses Rahmens kann die ID Austria auch schon jetzt grenzüberschreitend verwendet werden, denn sie ist nach Artikel 9 eIDAS-Verordnung bereits seit 28.2.2022 nun auch offiziell bei der EU notifiziert und damit auch EU-weit als Identifikation zugelassen.

Geht schon was mit der ID-Austria?

Eigentlich kann sie schon sehr viel. An die 500 Services, sagt der Staatssekretär… „kann sie!“. Aber richtigerweise muss man es andersherum sagen: Sie ermöglicht noch viel mehr, weil zahlreiche Anwendungen mittlerweile bereits mit dem einheitlichen digitalen Schlüssel ID-Austria „sperrbar“ oder „anwendbar“ sind. Hier ein paar dieser Anwendungen und Anwendungsbereiche:
  • Die ID Austria ermöglicht den sicheren Login in digitale Anwendungen, sowohl von Behörden als auch von Unternehmen. 
  • Mit der ID Austria können Dokumente elektronisch unterschrieben werden, was rechtlich einer eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt ist und europaweit genutzt werden kann. 
  • Die ID Austria ermöglicht das Vorzeigen von digitalen Nachweisen wie dem Führerschein, Altersnachweis oder Zulassungsschein am Smartphone.
  • Mit der ID Austria können viele Amtswege online erledigt werden, wie z.B. die Änderung des Wohnsitzes oder die Beantragung einer Wahlkarte.
  • Behördliche Schriftstücke können über die elektronische Zustellung (digitaler Postkorb) empfangen werden.
  • Mit der ID Austria kann das Pensionskonto eingesehen und der aktuelle Stand der Pension abgefragt werden.
  • Oder auch Finanz-Online ist eine wie viele andere Anwendungen, die über die ID-Austria eingesehen und bearbeitet werden können.

Und was wird in Zukunft noch „gehen“?

Wofür „die Verwaltung“ den „Schlüssel“ ID-Austria am Ende alles nützt, das ist fast „unbegrenzt“, solange es Aufgaben und Services der Verwaltung anlangt:
  • Es könnte zum Beispiel der digitale Bauakt sein, der in naher Zukunft sogar bei überdimensionalen Plänen völlig ohne Papier auskommt und wo die ID-Austria zu jeder Zeit und an jedem Ort den Einstieg in alle Details des Verfahrens ermöglicht.
  • Es könnte auch das elektronische Wählen sein. Die eindeutige digitale Kennung des Wählers und der Wählerin ist eine von vielen Grundvoraussetzungen. Schon jetzt sind Volksbefragungen und Volksbegehren „online“ und mit ID-Kennung möglich.
  • Es könnte auch ein ständiger übersichtlicher Einblick in meine Akten und Datenbestände sein, die die Verwaltung für mich bereithält; Schon jetzt gibt´s Ansätze dazu bei den Firmen, die den Gemeinden Softwareprodukte für die Verwaltung zur Verfügung stellen. „Mein AMT“ oder „Digitales Gemeindeamt“ heißen sie. Und mit meiner ID-Austria kann ich in einigen Gemeinden heute schon aktuelle Bescheide, Informationen bis zu Gebühreneinsicht auf einen Blick erhalten.

Ein weiter Weg zu 9 Millionen Handy´s?

Aktuell (Stand August 2025) haben etwa 4,1 Mio. Österreicherinnen und Österreicher bzw. auch Firmen, Organisationen und Institutionen die ID-Austria – und das nach deutlich mehr als 10 Jahren Bürgerkarte, Handysignatur und jetzt eben „ID-Austria“. Bis 2030 sollen die ID-Austria alle haben, ist das Ziel. Aber die zweite Hälfte ist viel schwieriger zu gewinnen als es die „fast und first user“ waren. Und das letzte Viertel wird überhaupt die größte „Challenge“ werden. Eine weitere Herausforderung: Schon jetzt haben viele die ID-Austria an Handy, nutzen sie aber nicht oder kaum. Es wird also jetzt um 2 Dinge gehen:

  1. Den Service der ID-Austria bzw. das Raufspielen auf ihr Handy möglichst vielen anzubieten.
  2. Die Anwendung der ID-Austria enorm zu steigern. Wer sie hat, muss sie auch gerne und für ihn in allen Lebenslagen nutzbringend verwenden können. 

ad 1) Da kommen die Gemeinden ins Spiel

Ab August 2025 bietet das Innenministerium nun allen Gemeinden in ganz Österreich die Möglichkeit an, die ID-Austria am Gemeindeamt zu vergeben. Natürlich braucht das die höchsten Sicherheitsstandards und dafür werden die Gemeinden, die das bieten wollen, auch geschult. Bisher konnten nur Gemeindeämter und Magistrate, die auch Reisepässe ausstellen, die ID-Austria vergeben. Jetzt wird´s diese Möglichkeit wieder, wie schon bei der Handysignatur, für alle Gemeinden in ganz Österreich geben. Und die Gemeinden werden den Menschen auch bei Fragen rundum die Services behilflich sein – quasi als „Hilfe zur Selbsthilfe“ mit dem klaren Ziel, so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich für digitale Verwaltungsservices zu schulen.

ad 2) Immer mehr nutzbringende Anwendungen

Anknüpfend beim „digitalen Gemeindeamt“, das mit der ID-Austria zum „digitalen full service Amt“ werden wird, sollen auch weitere Anwender im Umfeld motiviert werden, keine eigenen Passwortzugänge zu schaffen, sondern die „Sicherheiten“ der ID-Austria zu nutzen. Bei Banken, bei Versicherungen, bei Firmen oder bei den POST-Paketabholstationen soll die ID-Austria nutzbringend eingesetzt werden, wünsche ich mir für die Zukunft. Wobei viele der zukünftigen Anwendungen wohl heute noch gar nicht bekannt sind, aber der Bedarf nach einem sicheren Zustieg schon jetzt erforderlich und vorzubereiten ist.

Was, wenn wer nicht will oder nicht kann?

Garantiert ist zunächst schon einmal: Gezwungen wird keiner zur ID-Austria, aber „motiviert“ sehr wohl, weil Verwaltungsmöglichkeiten und auch die Qualität der digitalen Leistungen enorm sein werden. Wer´s trotzdem nicht will oder nicht kann wird auch weiterhin sein analoges Gemeindeamt haben – mit vertrauten Mitarbeitern, gewohnten Abläufen und einem persönlichen Service. Die Frage wird sich in der Verwaltung viel eher stellen, wie wir die analogen Abläufe mit den Bürgerinnen und Bürgern, die keine „ID“ haben zusammen optimieren können. Daran arbeiten wir gerade bzw. darüber denken wir intensiv nach. Mehrere Denkrichtungen gibt´s dazu:

Am Ende: Die ID-Austria als digitaler Zentralschlüssel

Es wird mit der ID-Austria am Ende einfach sein, Verwaltungs- und sonstige Bürgerdienste in Anspruch zu nehmen. Denn es wird nur mehr eine Kennung geben. Sie wird sicher sein und der gute alte Schlüsselbund der wird zugunsten einer locker leichten digitalen Kennung ausgedient haben.

Mehr auf http://www.id-austria.gv.at oder auf http://www.ida.gv.at

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