
Anlass: Energy Globes 2018 und Nachhaltigkeitskonferenz
Die Stadt YAZD (ca. 550.000 Einwohner) war heuer Ort der Verleihung der weltweiten Energy Globes. Der Hintergrund ist eine schon länger bestehende sehr gute Verbindung von Wolfgang Neumann, dem Energy Globe Gründer, und der Stadt. Und so wurde die Verleihung der Globes mit einer ganztägigen Nachhaltigkeitskonferenz ergänzt, bei der internationale Projekte vorgestellt, aber vor allem von den europäischen Vertretern auch die ganz starke Rolle der Gemeinden bei Projekten zum Schutz der Umwelt und bei der Anleitung zu umweltbewussten Handeln betont wurde. Unter www.energyglobe.info kannst Du die Konferenz, die Beiträge (u.a. auch aus Österreich) und auch die Verleihung der Globes Revue passieren lassen.
Leben, Arbeit und Kultur im IRAN – im besonderen in der Stadt YAZD
Die Stadt YAZD ist eine Wüstenstadt, die mit ihrer Lage sogar im IRAN einige Besonderheiten aufweist. Gerade die Trockenheit (rund 3 bis 4mm Niederschlag/Monat) und viel Wind hat schon vor Generationen bei der Wassernutzung und auch bei der Kühlung der Häuser einige Entwicklungen hervorgebracht hat, die heute wieder geschätzt und in moderner Form Anwendung finden könnten. Am Sonntag – dem Anreisetag – und auch zwischendurch bot sich die Gelegenheit, die Stadt etwas näher zu erkunden und auch die Menschen, deren Leben und Wirtschaften und die Jahrhunderte alte Kultur der Stadt kennenzulernen:
Wüste und Wasser
Das Lebenselexier Wasser ist hier – noch mehr als woanders – bei einem Gesamt-Jahresniederschlag von nur 60mm, eine Rarität und wurde und wird entsprechend sorgsam genutzt. In einem eigenen Wassermuseum wird vermittelt, wie Wasser schon früher über lange Kanäle aus den Bergen in die Stadt geleitet und verteilt wurde. Heute sind es moderne Rohrsysteme, die die unterirdischen Kanäle ersetzt haben. Und trotzdem ist Wasser – in Zeiten des hier noch vielmehr als bei uns spürbaren Klimawandels – eine RARITÄT.
WIND und Kühlung
Die zweite Problemstellung mit der die Wüstenstadt seit jeher zu kämpfen hatte, ist der Schutz vor der Hitze und den Sandstürmen der Wüste. Allein die Bauform hat dem Rechnung getragen, denn wo man von der Straße aus vermeintlich nur endlose Ziegelmauern wahrnimmt, liegen dahinter kleine grüne Gartenrefugien. Fast jedes Haus hatte traditionell einen gut geschützten kleinen aber grünen Innenhof. Und für die Kühlung der Häuser wurde schon vor Jahrhunderten ein „WINDTURM-SYSTEM“ entwickelt. Mit einer einfachen Luftzirkulation durch Unterdruck wurde in den Häusern damit vor allem im Sommer ein ständiger Luftstrom erzeugt, der die Innenräume trotz großer Aussenhitze kühlte.
Leben und Arbeiten heute
Der Autoverkehr und kleine Läden, Handwerksbetriebe und Dienstleister entlang der durchaus breiten Straßen prägen das Stadtbild von Yazd heute. Während die Innenstadt zwar als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde aber die kleinen Gassen dort eigentlich nur mehr von älteren Menschen bewohnt werden. Durchschnittlich € 200,– bis € 300,–/Monat verdienen die Menschen hier. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und liegt bei den Jugendlichen an die 30% und im Gesamten bei 11 bis 12%. Siehe dazu auch das WKO Statistik Länderprofil: https://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-iran.pdf. Die Menschen arbeiten wirklich fleissig, um das notwendige Auskommen zu sichern, während die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Iran „hinkt“. Bildung wird sowohl vom Staat als auch von den Menschen extrem hoch geschätzt. An den Unis studieren mittlerweile mehr als 50% Frauen, hat man uns erzählt.
Entlang der größeren Straßen der Stadt hat sich ein Wirtschafts- und Handwerksökosystem des Handels, der Dienstleistung und des Handwerks entwickelt. Tischler, Fleischer, Bäcker, Friseure, Kleintier- und Futterhändler, Gemüseanbieter und Läden, Banken, Mechaniker, Teeläden und Pizzabuden…….; Alles, was man zum Leben braucht, mischt sich hier kreuz und quer. Und die Läden sind fast alle zur Straße hin direkt offen. Schon am Gehsteig spielt sich Vieles ab, werden zum Beispiel Autos repariert oder Möbel neu bezogen werden warten sogar die Katzen vor der Fleischerei, dass der eine oder andere Abfall auch für sie abfällt……
Produzierende Industrie gibt es ebenfalls……
Die Währung macht Millionäre. Die Inflation galoppiert rasch dahin.
Der Handelsdelegierte der österr. Wirtschaftskammer im IRAN hat uns erzählt, dass die Inflation enorm ist und der Wechelkurs Euro:Rial von 1: 60.000 (beim Wechsel im Land) in den eineinhalb Jahren, die er jetzt dort ist, auf 1: 134.000 angestiegen ist. Das bedeutet in der Realität nicht nur eine riesen Menge Geldscheine in der Tasche, sondern vor allem auch eine große Unsicherheit für Investoren aus dem Ausland, weil deren Investitionen von kaum jemand abgesichert werden. Die US Sanktionen tragen ein weiteres zur problematischen Entwicklung bei, denn selbst Firmen, die nicht direkt mit Amerika Geschäfte machen, werden indirekt über den drohenden Ausschluss ihrer Geschäftspartner vom amerikanischen Markt gezwungen, mit dem IRAN keine Handelsbeziehungen einzugehen. Die dadurch entstehende westliche Absenz wiederum lässt Lieferanten aus China und Russland erstarken, obwohl Waren aus dem Westen bei den Menschen mehr denn je gefragt wären. Siehe dazu auch eine aktuelle Initiative der EU: https://orf.at/stories/3109801/
Alkoholverbot und Verhüllungsgebot aber auch unerwartete Freiheiten im islamischen Gottesstaat
Eine WELTSPIEGEL – Reportage, die fast zeitgleich mit dieser IRAN-Reise von der ARD ausgestrahlt wurde, blickt noch weiter hinter die Kulissen des Landes: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/podcast-thema-40-jahre-iran-revolution-100.html
Prestige, Modernität und wahrnehmbare Eliten
Grundsätzlich hat man ab der Ankunft am Flughafen den Eindruck, dass der Iran Modernität will und wo es möglich ist auch umsetzt. Manches davon – einige besondere Bauten – mögen dem Prestige geschuldet sein, aber im großen und ganzen herrscht das Bemühen vor, das Land voranzubringen und anschlussfähig zu halten, auch wenn diese Bemühungen nach westlichen Maßstäben schwer umsetzbar sind. Am Beispiel „Tourismus“ ist wohl am besten erkennbar, wie sehr das „Wollen“ und die reale Umsetzung auseinanderklaffen. Denn solange im Religionsstaat Verhüllungsgebote herrschen, wird ein Badetourismus westlichen Zuschnittes einfach nicht möglich sein und für Kulturtouristen ist der IRAN zwar interessant aber noch lange nicht „mengen-/ schon gar nicht massenfähig“, trotz bester und modernster Hotelanlagen. Und im IRAN dürfte doch noch ein stärker ausgeprägtes und auch wahrnehmbares Bild von Eliten vorherrschen, die nur teilweise mit dem breiten Volk in direkter Verbindung stehen, aber das ist nur ein Eindruck und konnte aufgrund der Kürze des Aufenthaltes und der mangelnden Sprachkenntnisse nicht vergleichbar verifiziert werden.
Auf jeden Fall eine Reise wert und ein Zeichen für „eine gemeinsame Welt“
Am besten ist wohl der eigene Eindruck, den man vom Land gewinnen kann, wenn man hinfährt! Und dazu darf ich alle, die diesen Beitrag lesen, wirklich ermutigen! Austrian Airlines fliegen derzeit Wien – Teheran direkt und das Land ist sicher und die Menschen sind gastfreundlich. Die VISA sind relativ einfach erhältlich und jeder Besuch stärkt die Wirtschaft des Landes und ist wohl auch ein Zeichen an jene, die den IRAN und andere Staaten des mittleren asiatischen Raumes von der Weltgemeinschaft derzeit ausgrenzen. Vor allem der Grund der IRAN Reise – die Energy Globe Verleihung – machte deutlich, dass wir den großen Herausforderungen wie Klimawandel und Weltfrieden nur gemeinsam begegnen können und dazu sind viele kleine Verbindungen zwischen den Menschen unterschiedlichster Staaten, unterschiedlicher Religionen und unterschiedlicher Einstellungen und die Achtung füreinander wichtig! www.energyglobe.info
