Sehr geehrte Bürgermeisterin! Sehr geehrter Bürgermeister! Ganz besoners diesmal, liebe EU Gemeinderäte!
Fach- und Bildungsreise nach Albanien
Eine Fach- und Bildungsreise des Österr. Gemeindebundes führte im Mai 2026 über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Albanien. Nach Tirana, Shkodra und Durres. 3 Tage lang standen offizielle Termine bei Regierung und Organisationen aber auch bei Projekten und Firmen wie auch persönliche Gespräche am Programm.
Das Gesamtbild
Ein aufstrebendes und innovatives Land mit unbändigem Willen, in die EU zu kommen. Ein Land, das mit einem immer dynamischer werdenden Tourismus nicht nur Einnahmen erzielt, sondern auch bei den mittlerweile 12 Mio. Gästen, die jährlich kommen, eine Scharmoffensive für Albanien erreichen kann. Aber auch ein Land, das Korruption und Kriminalität zu bekämpfen hat, Infrastruktur zu schaffen hat – vor allem im Bereich der Müll- und Abwasserentsorgung bzw. der Straßenerschließung und Trinkwasserversorgung. Und ein Land, das den Rechtsrahmen für gesichertes Eigentum, wie ein staatliches Grundbuch noch fast vollumfänglich vor sich hat.
Eine Geschichte der Unterdrückung liegt hinter dem heutigen Albanien
In Albanien wurden zwischen 1972 und 1983 schätzungsweise über 170.000 bis zu 200.000 Bunker gebaut. Eine Vielzahl der kleinen Betonkuppeln sind nach wie vor über das ganze Land verteilt zu sehen. Auch das Stadtbild von Tirana prägen sie noch. Die Ausstellungen Bunk’Art 1 am Stadtrand und Bunk’Art 2 im Zentrum von Tirana zeigen in 2 ehemaligen Betonbunkern das Leben in der Diktatur und wie es zu dieser gekommen ist. Es wird geschätzt, dass das Regime unter Enver Hoxha zwischen 6.000 und 7.000 Menschen direkt exekutierte. Über 1.000 Menschen starben in den verschiedenen Gefängnissen und Arbeitslagern. Etwa 100.000 Menschen wurden während der Diktatur (1946–1991) in Gefängnisse und Arbeitslager gesteckt, von denen etwa 10.000 dies nicht überlebten. Mehr als 6.000 Menschen gelten als vermisst, von denen angenommen wird, dass sie hingerichtet wurden oder an den Folgen von Folter und Zwangsarbeit starben.






















Christliche Hilfe und Mission schon vor Jahrzehnten
Eine tiefe katholische Frömmigkeit zeichnet viele christliche Albaner aus. Mutter Theresa stammt aus Albanien und in Tirana ist die Paulus-Kathedrale (Katedralja e Shën Palit), die 2002 eingeweiht wurde, ein Hort ihrer Verehrung. Ein schon sehr alter katholischer Prieser – ehemals ein Holländer – hat uns in der Kirche erzählt, wie arm das Land war, als er in den 1990igern hierher gekommen ist. Im nachstehenden Film ist er schlecht zu hören aber es war mehr als eindrücklich, was die Kirche hier mit vielen anderen Hilfsorganisationen an Aufbauarbeit geleistet hat und wie die Menschen dadurch auch mehr zum Glauben gekommen sind. Rund 45% der Albaner sind im Moment Muslime. Rund 18% Christen unterschiedlichster Richtungen und der Rest konfessionslos.












Gebäude als statische Denkmäler und Symbole – trotzdem alles im Wandel
Die Architektur in der Hauptstadt Tirana lässt sich als ein extrem dynamischer, oft widersprüchlicher Mix aus osmanischen Wurzeln, italienischem Monumentalismus, grauem sozialistischem Beton und einer aggressiven, bunten Moderne beschreiben. Die Stadt verwandelt sich rasant von einer postsowjetischen Hauptstadt in einen Hotspot für moderne Wolkenkratzer. Und speziell Tirana erlebt einen regelrechten Hochhaus-Boom, der die Skyline bis 2030 weiter verändern wird. Viele Neubauten fallen durch radikal einzigartige Formen auf, die oft von renommierten internationalen Architekturbüros entworfen werden.


















































Politisch gespalten aber einig am Weg in die EU
Albanien ist politisch stark gespalten. Die politische Landschaft ist durch eine tiefe Polarisierung zwischen den zwei Hauptparteien gekennzeichnet, der Sozialistischen Partei (PS) von Ministerpräsident Edi Rama und der konservativen Demokratischen Partei (PD). Trotzdem gibt es in Albanien, besonders im Jahr 2026, einige grundlegende Punkte, in denen weitgehende Einigkeit über das politische Spektrum hinweg herrscht: EU-Integration (Höchste Priorität); Pro-westliche Außenpolitik & NATO-Mitgliedschaft; Unterstützung für den Kosovo; Justizreform (theoretisch); Entwicklung des Tourismus.




Die Gemeinden – auch in Albanien tragende Basis des Staatsaufbaues
Im 2,75 Mio. EW zählenden Staat Albanien spielen die Gemeinden (alb. Bashkia) eine zentrale Rolle im Staatsaufbau. Nach einer umfassenden Verwaltungsreform 2014 wurde die Zahl der Gemeinden drastisch reduziert, was darauf abzielte, die Verwaltung effizienter zu gestalten und die kommunale Demokratie zu stärken. Die Rolle der nun 61 „Großgemeinden“ mit eigenen Bürgermeistern und Gemeinderäten, denen wiederum rund 370 ehemalige Gemeinden geführt von „Administratoren“ mit rund 3000 kleineren Dörfern nachgelagert sind, ist in erster Linie:
- Bereitstellung kommunaler Dienstleistungen
- lokale Infrastruktur
- Bildung
- Müllabfuhr
- soziale Dienste
- Förderung der kommunalen Demokratie
Gefordert sind die Gemeinden in Albanien – genauso wie bei uns – durch permanente Finanzknappheit im Vergleich zu ihren Aufgaben und speziell in Albanien auch durch die politische Abhängigkeit von der Zentralregierung.















Die Österr. Wirtschaft ist jetzt schon stark in Albanien vertreten
Österreich zählt zu den wichtigsten ausländischen Investoren in Albanien und ist dort stark engagiert. Im Jahr 2025 war Österreich der fünftgrößte Investor in dem Land. Das Investitionsvolumen betrug ca. 926 Millionen Euro, wobei sie noch weiter stark anwachsen. Österreichische Unternehmen sind besonders in den Bereichen Energie, Versicherungen, Bauwesen und im Finanzsektor aktiv. Aber auch in der Landwirtschaft bei der Lieferung von Tieren und Zuchtmaterial oder der Aufstallungs- und Betriebstechnik. Über 50 Unternehmen mit österreichischer Kapitalbeteiligung sind in Albanien tätig. Einige davon haben wir auch bei einem Empfang der Botschaft getroffen: U.a. die Gebrüder Weiss Gruppe, die AUA, Unternehmungen von Dr. Spernbauer, den Direktor und Absolventen der Schule Peter Maringer, Vertreter der Fa. ROGNER Bau und Hotels, Vertreter von Raiffeisen



Direktinvestitionen – zum Beispiel von Verbund und EVN in die Wasserkraft
Ashta 1 und Ashta 2 sind zwei Staukraftwerke am Fluss Drin im Norden Albaniens, nahe Shkodra. Die 2012 eröffneten Anlagen nutzen das Wasser unterhalb des Vau-Deja-Staudamms zur Stromerzeugung, verbinden Ashta 1 und 2 durch einen 5 km langen Kanal und leisten ca. 53 MW. Investiert wurden die Kraftwerke von Verbund und EVN gemeinsam. Angelegt sind sie auf eine langfristige Amortisation, denn – wie uns vor Ort eindrücklich geschildert wurde, gab´s auch die eine oder andere unvorhergesehene Herausforderung. Der VERBUND wird aber im Gefolge der guten Erfahrungen mit den beiden Wasserkraftwerken erstmals auch in die Windkraft in Albanien investieren.





















ADA unterstützte Aufforstungsprojekte und noch mehr
ADA steht für Die Austrian Development Agency (ADA). Sie ist die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Albanien ist seit 1992 ein Schwerpunktland der ADA, um die Lebensbedingungen zu verbessern, Armut zu bekämpfen und das Land bei der Annäherung an die EU zu unterstützen. Die Haupttätigkeiten der ADA in Albanien konzentrieren sich daher auf folgende Bereiche: Aufbau eines professionellen Berufsbildungssystems, Förderung der Dezentralisierung und Verbesserung der regionalen Planung, um regionale Ungleichheiten in Albanien zu verringern, Unterstützung bei der Einhaltung von EU-Standards im Wassersektor, Unterstützung bei der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung und Förderung von sozialen Geschäftsideen und Projekten, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren oder Unternehmen. In diesem Zusammenhang haben wir uns ein über 45 ha großes Aufforstungsprojekt angeschaut. Bodenerosion durch Rodungen und Devastierung der Böden haben dort in der Nähe von Shkodra zu Waldverlust geführt. Mit diesem Projekt wurden passende Baumarten gepflanzt, es wird für die Pflege gesorgt und die Erfahrungen werden auch in andere Regionen übertragen.

















Hervorragendes Essen und Rückbesinnung auf lokale Erzeugnisse
Ähnlich wie bei uns in Österreich läuft auch in Albanien eine immer stärkere Rückbesinnung auf Produkte lokaler und regionaler Herkunft. Besucht haben wir einen „Agritourismusbetrieb“ in der Nähe von Shkodra, wo wir einerseits die Herstellung aber auch die Verarbeitung und schließlich den Genuss erlebt haben. Sicherlich ist diese Art der Erzeugung nur mit den Preisen, die im Tourismus damit erzielbar sind, machbar. Aber in diesem Sinn ist ein derartiger Betrieb einerseits Abnehmer von Rohware der Landwirte aus der Umgebung – einige haben während wir hier waren ihre Milch in der Größenordnung rund um 20l „pro Mahlzeit“, noch „kuhwarm“ vorbeigebracht. Der Betrieb ist aber auch Arbeitgeber und Innovator in der Region…..































Enormer Aufholbedarf bei Abwasserreinigung, Müllentsorgung Trinkwasserversorgung oder dem ländlichen Wegenetz
Eigentlich fühlt man sich – je nachdem wie alt man ist, in die Kindheit in Österreich zurückversetzt, wenn man durch so manche Gegend in Albanien fährt. Vor 50 Jahren als noch Autoreifen verbrannt wurden – bei uns oder der „Scherbengraben“ als Müllhalde diente und Kläranlagen aus einem Rechen aber keiner aktiven biologischen Reinigung bestanden…..; Die Abwässer der Stadt Shkodra zum Beispiel fließen derzeit größtenteils ungeklärt in den Shkodra-See sowie in die Flüsse Buna und Drin. Die aktuelle Entsorgungssituation stellt ein erhebliches Umweltproblem dar, da die Stadt mit über 140.000 Einwohnern über kein zentrales, flächendeckendes Klärsystem für das gesamte Stadtgebiet verfügt. Diese und ähnliche Situationen ziehen sich landesweit durch …..; Und was zusätzlich noch fehlt, ist ein gesetzliches System, das klare Anschlussverpflichtungen vorsieht, die auch exekutiert werden, wie bei uns im Rahmen des Kanalgesetzes oder ähnlicher Rechtsmaterien. Die EU Wasserrahmenrichtlinie sei national bereits legistisch umgesetzt, ist uns auch von Minister Ervin Demo versichert worden. Die reale Umsetzung dauert wahrscheinlich noch Jahrzehnte. Für die Spezialisten bei uns im Bereich Abwasserreinigung, Müllabfuhr und für viele weitere Österr. Firmenkönnte das aber genau deswegen eine große Chance sein.








Kreativität und Ideen im „kleinsten“
Wenn man so bewusst durch´s Land fährt, dann gibt´s aber auch jede Menge kreative Ideen, die einem begegnen. Irgendwie habe und hatte ich den Eindruck, das es daran nicht mangelt und in Ermangelung von Geldmitteln vielleicht sogar noch mehr Kreativität braucht und angespornt wird.

























Korruption, Bestechlichkeit und Kriminalität gilt es zurückzudrängen
Erst jüngst ist in Tirana ein Callcenter-Betrug aufgeflogen. >> siehe Bericht des Bundeskriminalamtes. Demnach wurden von über 400 Computern aus unter dem Vorwand prominenter Personen bei Leuten im Österreichisch und in unseren Nachbarländern angerufen. Und unter Vorschützen falscher Tatsachen wurden sie zu Geldüberweisungen angeleitet. Über 50 Mio. Schaden ist entstanden, knapp über 900.000,– konnten tatsächlich sichergestellt werden. Aber zur Korruption – die funktioniert in solchen fällen so, dass sich die „Bosse“ oft schon lange vorher mit kleinen Gefallen Menschen gefügig und hörig machen – bspw. auch aus dem Justiz- oder Exekutivbereich. Und wenn man weiss, dass „Staatsdiener“ in Albanien gering verdienen – und dass Gangster für ihre eigene Sicherheit bereit sind, enorme Summen zu zahlen, dann ist der Nährboden für Korruption rasch perfekt aufbereitet. Und wenn´s dann an´s „Ausheben“ solcher krimineller Zellen, wie eben geschildert geht, dann sind diejenigen, die man sich jahrelang mit Präsenten gefügig gemacht hat, wohl nicht die „hilfreichsten“, um nur ein Beispiel zu nennen.


Best bzw. Making of
Am Schluss noch ein Potpourri an Bildern und Videos, die so nebenher noch entstanden sind. Das was jetzt kommt, ist kein nur lustiges „Making of“, wie mans manchmal sieht – eher ein neutrales Hingucken auf Themen, die sonst noch präsent waren oder auf Menschen, die dabei waren und viel miterlebt haben auf dieser Reise. Danke allen, die mitgeholfen haben zu organisieren und wer Chancen in Albanien nutzen will, der ist bei unserer Österr. Botschaft in Tirana oder beim Wirtschaftsatachee und seinem Team in der Region bestens aufgehoben.




















































