Ardagger – Frühstücksnews – Freitag, 10.5.2024

Sehr geehrte Gemeindebürgerin! Sehr geehrter Gemeindebürger!

Gestern war Europatag – 9. Mai – und da hat in Kiew in der Ukraine der 2. Städte- und Regionentag stattgefunden. Es war sicherlich dem Drängen des ukrainischen Botschafters in Österreich, der Einladung von Gouverneur Viktor Mykita aus Transkarpatien, das ja ehemals zur Monarchie gehört hat, und auch dem österr. Botschafter in der Ukraine Arad Benkö geschuldet, dass ich letztlich hier mit einer 12 köpfigen Delegation von Bürgermeistern und Gemeindevertretern mit dabei war.

Aufgrund des Flugverbotes im ukrainischen Luftraum war die Anreise nur per Bus bis Premyszl in Polen und von dort per Nachtzug möglich. Also Abreise bereits am vergangenen Mittwoch in Wien und Ankunft dann gestern – Donnerstag früh – in Kiew am Bahnhof. Das gleiche „fast 24h“ Reiseprozedere wird auch bei der Rückfahrt nochmals zu absolvieren sein. Selbst höchstrangige Vertreter, Staats- und Regierungschefs, oder gestern die Prädidentin des EU Parlaments – Roberta Mezola – haben genau dasselbe Anreiseprogramm mit noch Kontrollen, Zwischenaufenthalten des Zuges usw. zu absolvieren. Im Moment sicherlich einer der großen Hemmschuhe hier – in einem für uns „gewohnt“ freien Europa.

Damit gleich zur „ANGST“ und Sorge, die vor so einer Reise besteht. Kann etwas passieren….? Man hört ja von den Medien – über Raketen, Luftangriffe usw…….? Ja, es stimmt schon. Bei einer Fahrt gestern abend nach der Konfernz in ein Dorf nahe Kiew hat man uns auch einen Einschlagtrichter einer Kinschalrakete gezeigt, die bis Kiew gekommen ist. Insgesamt 2 derartige Raketen haben es kürzlich bis hierher geschafft, wurde uns erzählt. Gestern war einmal auch Luftalarm. Da heulen dann fast zeitgleich jede Menge Handies der fast 500 Menschen, die im Saal im 2. Kellergeschoss des Hotels versammelt waren. Aber weder bei der Konferenz noch auf der Straße hat das jemand „bewegt“. Es ist bei Alarmen scheinbar rasch klar, welche Gefährdnung davon ausgehen könnte und so reagieren viele Menschen in ihrem Alltag darauf scheints gar nicht mehr……….; Unterm Strich läuft das Leben hier in Kiew allem Anschein nach überhaupt „normal“:

Spürbar war der Krieg allerdings bei der Konferenz gestern. Ich war auch auf das Podium geladen, erzählte dort von Möglichkeiten auf kommunaler Ebene eine EU-Integration des Beitrittskandidaten Ukraine zu schaffen und habe da auch sehr ehrlich die Sicht vieler Menschen bei uns in Österreich und in anderen EU Ländern angesprochen, die einem Beitritt der Ukraine sehr skeptisch gegenüberstehen. Das und auch allein schon die Tatssache, dass unsere Reise dazu dient, auch Partnerschaften zwischen Gemeinden anzubahnen und im Gefolge auch Wirtschaftskontakte – zum Beispiel beim Aufbau von kommunaler Infrastruktur, wie Straßen, Kanälen, Glasfaserleitungen oder Wasserversorgungen und deren Finanzierung zu knüpfen, hatte gestern noch zahlreiche Gespräche. Da wird von den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und Regionsgouverneuren mehr als inständig – genau um diese Partnerschaften – gebeten.

Nahezu dramatisch verlief dann das nachfolgende Gespräch mit Ivan Fedorov. Er ist Gouverneur der Region Zaporishia, die im Moment zu 1/3 Ukraine und 2/3 „russisch“ ist. Die Frontlinie zieht sich durch seine Region mitten durch. Und die Bürgermeister dort haben unserer Delegation erzählt wie man lebt, wenn man 10km und 15km von der Frontlinie entfernt eine Gemeinde führt…….; Ich habe den Gouverneur auch gefragt, wie er die militärische Lage einschätzt. Er war sehr zuversichtlich. Er sagte aber auch, wenn wir es nicht schaffen, dann hat Europa ein Problem, dann habt ihr ein Problem, denn Russland wird „keine Ruhe“ geben…….; Diese „Wahrnehmung“, dass hier wirklich an der Grenze von EUROPA zu RUSSLAND darum gekämpft wird – um das Lebens- und Wertesystem, das uns ausmacht, das zieht sich bei allen Gesprächen durch. Und Roberta Mezola, die gestern nach Wolodimyr Selenksy eine Rede zur Eröffnung der Konferenz gehalten hat, hat mit voller Überzeugung versprochen, dass die EU alles dafür tun wird, dass der Geist „der Spirit“, wie sie sagte, der EU in Zukunft durch die Ukraine wehen wird. So erklärt sich auch der Beitrittsstatus, den die Ukrainer mit enormem Willen und auf allen Ebenen umsetzen wollen.

Vereinbart haben wir gestern übrigens, dass wir Österr. Gemeinden die Aufnahme von Kindern aus Kriegsgebieten für Sommerurlaube anbieten wollen, dass wir an direkten Partnerschaften zwischen Gemeinden und Städten aus Österreich und Ukrainischen Gemeinden arbeiten und dass wir eine digitale Plattorm für Bedarfsgüter aufbauen wollen, die man hier brauchen kann und die bei uns in den Gemeinden schon längst ausgeschieden werden. An einem Beispiel der Gemeinde Laxenburg haben wir dann auch gesehen, wie das gehen kann. Vor Monaten schon hat der dortige Bürgermeister mit seiner Kommune ein altes ausgeschiedenes Feuerwehrauto gespendet. Heute steht es in der Ukraine und wird dort „gehegt und geplegt“, wie wir uns überzeugen konnten. Die Gemeinde, die es bekommen hat liegt nur 30 Kilometer von Kiew entfernt, aber sie musste von einem 5 Mio. Budget vor dem Krieg auf ein nur mehr 3,5 Mio. Budget danach „einsparen“. Und davon geht auch noch ein Teil in Unterstützungen der Kämpfer an der Front. Vom Tarnnetz nähen über Essenspackungen bereiten bis zu verschiedenen zivilen Unterstützungsprojekten wird hier enorm viel Zeit und Geld zur Unterstützung der Dorfbewohner, die im Krieg sind, getan. Von den 7000 Einwohnern sind 400 an der Front, zahlreiche auch bereits getötet worden, haben uns der dortige Bürgermeister und seine Mitarbeiter erzählt……..

Zurück zur Konferenz und da waren die Fragen natürlich grundsätzlicher und eines zieht sich hier enorm durch: Das sind fehlende Finanzmittel. Rund die Hälfte des Budgets der Ukraine geht im Moment „in den Krieg“. Investitionen in das Land werden überall zurückgestellt. Kredite kosten rund 22% Zinsen. Auch vom Ausland kommt – mit wenigen Ausnahmen – kein Investment, weil einfach die „Sicherheiten“ zu gering und die Unsicherheiten zu hoch sind. Die schon beschriebene Angst vor der Reise und vor einem Engagement in einem Kriegsland schreckt zusätzlich ab ……; Aber – und das ist uns gestern mehr als klar geworden – der Aufbau und alle Vorbereitungen dazu, die beginnen bereits. Und die Unsicherheit, dass eine Infrastruktur, die gebaut wird, gleich wieder zerstört werden würde, ist zumindest im Westen des Landes nicht wirklich hoch…..; Absicherungen durch die EU und europaweite „Finanz-solidarische Maßnahmen“ für derartige Investments werden erforderlich sein und wie wir gestern gehört haben, sind die auch im Anlaufen. Österr. Firmen sind im Moment die 6. größten Investoren bzw. €600 Mio. beträgt das Aussenhandelsvolumen Österreichs mit der Ukraine im Moment, sagte uns der Aussenhandelsdelegierte Georg Weingartner, bei einem „Briefing“ hier in Kiew…….

Heute geht´s weiter rund um Kiew mit einer Besichtigungs- und Kontakttour und dann in der Nacht wieder zurück nach Österreich. Übrig wird bleiben, dass hier ein LAnd wie ein Löwe um den Anschluss in die EU kämpft – und das nicht als Idee einiger weniger Eliten, sondern kollektiv – alle Parteien, Menschen und Kräfte in diesem Land. Übrig wird bleiben, dass das nicht von heute auf morgen geht und noch ganz entscheidend davon abhängen wird, wie sich der Krieg entwickelt. Und übrig bleiben wird, dass allein schon, dass sich der Westen in der Ukraine zeigt und man Verständnis für die teils dramatische Situation hat, für die Verantwortlichen hier enorme Kraft gibt. Übrig wird bleiben, dass der Aufbau dieses Landes jetzt beginnt und übrig bleibt auch, dass es „hinter“ dem LAnd wie wir es in den Medien kennengelernt haben, ein LAnd ist, das durchaus eine herausfordernde Geschichte des Kommunismus, der Orientierung zwischen Ost und West, zwsichen sehr arm und sehr reich hat, das möglicherweise nach dieser Geschlossenheit zur Abwehr des Aggressors noch aufbrechen wird. Und übrig bleibt aber, dass die Ukraine – so wie Polen, Rumänien, Ungarn, …… ein Europäisches Land ist, das auf einem harten aber am Ende klaren Weg in die EU ist.

Aus Ardagger darf ich Dir nochmals den Veranstaltungkalender für´s Wochenende ans Herz legen. Der ist weiter umfangreich – mit Heimspiel heute abend, Mostkirtag am Sonntag in Stephanshart und Erstkommunion in Ardagger MArkt:

Fr. 10. – 11. ZOA-Festival
Fr. 10. Heimspiel SG Ardagger/Viehdorf – Regionalliga Ost
Sa. 11. UTC Heimspiel Herren 4
So. 12. Erstkommunion Ardagger Markt
So. 12. UTC Heimspiel Herren 3
So. 12. Mostkirtag der LJ Stephanshart
So. 12. Abendgebet

Für Sonntag zum Muttertag bietet Dir auch noch Renate Fischer aus der Donaulände bei ADEG Seba nette Geschenke an:

Und eine letzte Maibaumnachricht darf ich Dir heute noch weitergeben. Diese jungen Burschen habe auch noch einen aufgestellt, hat mir Romana Fischl geschrieben. Früh übt sich, wer dann auch ein großer Maibaummeister werden will.

 

Alles GUTE – heute mal ohne Spruch – für Dein Wochenende. Danke noch für das abschließende Bild an Manuel Holzer:

 

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