
Sehr geehrte Gemeindebürgerin! Sehr geehrter Gemeindebürger!
Der gestrige erste Tag als Gemeindebundpräsident hat für mich im ZIB2 Studio bei Marie Claire Zimmermann geendet. Davor gab´s in dieser neuen Funktion den ganzen Tag über verteilt 4 Interviews mit KRONE, Ganze Woche, Kleine Zeitung und den Bezirksblättern. Allesamt sehr spannende und ganz neue Erfahrungen, was die Kürze und Prägnanz von Aussagen betrifft, was die Erklärung von sehr komplexen Sachverhalten an Journalisten und letztlich für die Menschen insgesamt betrifft. Für einen „Techniker“ oder anders gesagt: „kompliziert, weil vernetzt denkenden Menschen“ wie mich – eine fast unzumutbare Aufgabenstellung……..; Aber „Übung macht den Meister“ und das ist scheinbar auch im „Alter“ noch irgendwie zu schaffen.
Die Themen aller Gespräche kreisten übrigens immer um die gleichen 3-4 Fragenkomplexe: zumeist Fragen zu meinem Vorgänger im Amt Alfred Riedl und die Rolle als Bürgermeister generell, Fragen zur Flächenwidmung und zur Einschränkung des Flächenverbrauches. Teilweise war auch das Informationsfreiheitsgesetz noch interessant und es ging letztlich noch um´s Geld – um viel Geld. Die Sorgen der Gemeinden mit der Finanzierung des laufenden Betriebes und dass es in der 2. Jahreshälfte noch sehr eng werden könnte für einige im Land…..
Aber zurück zum „Hintergrund“ dieser Gespräche und zu den Menschen, die da hinter den Zeitungen und Medien stehen: Es sind alles Leute, die einfach ihren Job gut machen wollen, die Geschichten schreiben, die gerne gelesen werden sollten und in einer gewissen Weise interessant sein sollen und …. – je nach Position, die sie in einem Medienunternehmen haben, sind es Menschen die auch „in Sorge“ um die eigene Zukunft sind. Schließlich ist die Medienwelt im Umbruch wie keine andere. Rein finanziell geht´s im Moment gerade dem „Printbereich“ sprichwörtlich an den „Kragen“ und auch wo Medien „digitale Schienen“ aufgebaut haben, läuft´s nicht überall finanziell so rund, wie man das aufgrund der „Aufmachung“ meinen würde. Die Werbeeinnahmen sind einfach in digitalen Medien deutlich geringer als im „Printbereich“ und Zeitungen aus Papier werden einfach immer weniger gelesen und gekauft.
Im „neuen NEWSROOM“ des ORF ist von diesen „finanziell schwierigen“ Situationen – zumindest rein äußerlich – nichts zu bemerken: Ein Großraumbüro mit angeschlossenen Studios. Menschen für alle Details von der Schminke bis zur Technik und der Redaktion….. und ein ZIB Studio, wo während der Sendung nur die Moderatorin und der Gast drin sind. Die Kameras bewegen sich automatisch oder ferngesteuert. Technisch alles „vom Feinsten“ aber natürlich auch mit sensationellen Möglichkeiten des „Enter- und Edutainments“, das die Menschen heute vor Großbildschirmen im eigenen Wohnzimmer heute erleben können.
Was sich wiederum auch im ORF „noch nicht“ rein „digital“ und „automatisiert“ machen lässt, sind die Inhalte der Sendungen und da waren gestern auch von meiner Seite wohl einige neue Inhalte dabei, die im ersten Moment vielleicht gar nicht so rübergekommen sind, aber gerade bei der Bodenverbrauchsthematik viel erklären, warum uns eigentlich in vielen Fragen der „Reduktion“ die Hände gebunden sind. Ich hab gestern Abend noch zahlreiche Gratulations-WhatsAPP und SMS und Mails bekommen……; Möglicherweise für die Krawatte, die Deutlichkeit der Sprache und vielleicht auch die doch dann relativ kurz gefassten Antworten. „Inhaltlich“ habe ich versucht eine Grundproblematik anzureissen, die wahrscheinlich aber nicht allen „schmecken“ könnte. Kurz zusammengefasst: „Wenn wir wirklich den Bodenverbrauch eindämmen wollen, dann müssen wir bei uns allen selber anfangen!“ Das heißt: in großen Häusern für die Jungen eine zweite oder dritte Wohneinheit einbauen und nicht neu auf die grüne Wiese bauen. Altimmobilien „mobil“ machen und nicht erwarten, dass es dafür unrealistisch hohe Erträge gibt oder Flächenwidmung nicht als „Aufwertung“ meines „Eigentums“ sehen, sondern als ordnungsplanerische Handlung der Gemeinde, die auch nach Jahrzehnten wieder abgeändert werden kann….. usw. Alles DINGE, wenn man sie genau nimmt, die sich ganz nahe an der „Eigentumsdiskussion“ befinden. Und ich bin für mich selbst da auch sehr „vorsichtig“ und ich stehe zur „Eigenverantwortlichkeit und Sicherheit für das Eigentum“ und zur Werthaltigkeit dessen, was man sich geschaffen hat. Wofür ich aber nicht zu haben bin ist, dass man „politisch“ unrealistische Begrenzungen des Neubodenverbrauches fordert (2,5ha Grenze) und gleichzeitig glaubt, das würde alles so einfach gehen. Das geht nicht einfach, würde den Wirtschaftsstandort, die Flexibilität und auch letztlich „das Eigentum“ gefährden. Eine 2,5 ha Grenze würde bezogen auf den Dauersiedlungsraum übrigens 12 m2 Neubodenverbrauch pro Tag pro durschnittlicher Gemeinde im österr. Dauersiedlungsraum bedeuten. Das ist 1/2 Carport. Und ich hab´s in einem Interview mit einer Zeitung gestern fragend so formuliert: „Wollen sie wie damals in der DDR auf einen Trabi jahrelang warten, dass sie bauen können, weil der Bodenverbrauchswert in einer Gemeinde schon überschritten ist……? Oder beginnen wir dann einen Bodenverbrauchs-Zertifikatshandel….?“ Drum ist eine 2,5 ha Grenze unrealistisch. Wir brauchen einen „realistischen“ Instrumentenkoffer, damit wir in Zukunft weiter das bauen können, was wir brauchen: Radwege, Schweineställe, auch Einfamilienhäuser oder Kindergärten, Schulen und Nahversorgung, Windkraftanlagen und Zugverbindungen. Aber wir müssen abwägen und neue Lösungen finden um dafür auch „Altimmobilien“ zu nutzen. Es wird dafür wohl „vieler“ Instrumente brauchen. Der Anstoss zu einer realitäts näheren Diskussion ist gelegt!
Für unsere Gemeinde ARDAGGER kann ich Dir sagen, dass wir „im Sanftanlauf“ seit rund 18 Jahren jetzt den „Baulandüberhang“ von damals 30% auf deutlich unter 20% reduziert haben, dass wir auch in den Neusiedlungen möglichst bodensparend gearbeitet haben – keine Baulücken, immer kleinere Grundstücksgrößen, Schotterrasenstreifen – und dass wir auch die Immobilienspekulation durch Vorkaufsrechte an die Gemeinde gleich gar nicht zugelassen haben. Altimmobilien haben wir laufend genutzt – zum Beispiel in Ardagger MArkt den Kindergarten und die Wohnungen im alten PFarrhof, das betreute Wohnen im alten Stadl des Gh. Stöger oder jetzt das Projekt Pfarrheim Kollmitzberg und die Feuerwehrhäuser, die im Bestand um- und ausgbaut anstatt auf die grüne Wiese neugebaut wurden. Im Betriebsgebiet haben wir zugelassen, dass durch mehr Höhe der Verbrauch an Neuboden begrenzt wird während das Volumen der Gebäude durch die Höhe gleich bleibt. Und beim neuen Nahversorgerzentrum machen wir das , was andere jetzt fordern, dass auf Einkaufsmöglichkeiten auch Wohnungen großflächig draufzubauen sind, schon von vornherein…….; Ich weiss, auch bei uns alles nicht „friktions- und diskussionsfrei“ aber wenn man´s konsequent und verständlich und über viele Jahre macht, dann ist ein guter Mittelweg zu finden und ich glaube zu wissen, den gehen wir in unserer Gemeinde, ohne dass jemand dadurch persönliche Einschränkungen erleidet.
Ich darfs heute bei dem belassen und Dir noch Bilder aus Tansania glaub ich – von der Crocodile Bridge und aus Thailand von der Insel Koh Kood bzw. aus Nordnorwegen schicken. Auch aus Südafrika und anderen Teilen der Welt, wo Menschen grad sind, haben mich Nachrichten erreicht. DANKE dafür. Eure Bilder stehen heute einfach dafür, dass es unendlich schön ist und wir unendliche Möglichkeiten haben auf dieser Welt und eine riesen Verantwortung auf uns lastet, dieses „Erbe“ aber auch was wir daraus als Menschheit gemacht haben, der nächsten Generation gut zu übergeben.
Abschließend 2 Sprüche, die unterschiedlicher heute nicht sein könnten aber ausdrücken in welcher „Polarität“ wir täglich leben und mit welcher Verantwortung wir auch handeln müssen:
„Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ heißts im Alten Testament unter >> Genesis 1,28
„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Antoine de Saint Exupery aus der Kleine Prinz


Lieber Hannes, du hast schon den ersten Tag bis in die Nachtstunden genützt um uns Gemeinden gut zu vertreten. Und dann findest du auch noch Zeit, das alles so umfassend zu beschreiben! Ich wünsche dir viel Kraft, alles Gute für dich und für die über 2000 Gemeinden die du nun vertrittst.
Liebe Grüße aus Kremsmünster
Reinhard
…hat eh ein bissl länger gedauert heute….:-)
Herzliche Gratulation zu deiner neuen funtion. ALLES GUTE
Godelieve ( Belgien)
Danke Dir!